In einer Rede im Plenum am 13.4.2011 bedauert Ralf Michalowsky, dass zwar einerseits der Etat für Medienpolitik um eine halbe Millionen erhöht wird, es aber nicht klar ist, wofür das Geld überhaupt ausgegeben werden soll. Gut aufgehoben wäre das Geld beispielsweise bei den Kommunalen Kinos, führt Michalowsky aus.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Nein, ich habe mich nicht mit Frau Verpoorten zu einigen Gläschen Eierlikör getroffen und meine Rede abgesprochen, wenngleich sicherlich einige Problemschilderungen ähnlich klingen werden. Aber das liegt einfach in der Natur der Sache und den Mängeln, die derzeit in der Medienpolitik des Landes herrschen.
Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich gern aus dem Erläuterungsband zu diesem Haushaltstitel zitieren: „Der Gesamtansatz des Kapitels ist gegenüber 2010 um 500.000 € angehoben worden. Dieser Anstieg ist insbesondere vorgesehen für die Förderung von Medienkompetenz.“
Und nun möchte ich gern an die unterhaltsame Diskussion im Haupt- und Medienausschuss erinnern, in deren Verlauf eigentlich geklärt werden sollte, was die Landesregierung denn genau zu unternehmen gedenke, um die Medienkompetenz zu fördern.
Ich sage deshalb „unterhaltsame Diskussion“, weil es schon Spaß gemacht hat, mitzubekommen, wie die geschätzte Kollegin Vepoorten nicht müde wurde, immer wieder nachzufragen, mit welchen Maßnahmen denn die Medienkompetenz bei wem gestärkt werden soll, und der Herr Staatssekretär immer wieder versucht hat, an dieser Frage vorbei zu antworten.
(Zuruf von der SPD: Nein, er hat sehr geduldig geantwortet! – Britta Altenkamp [SPD]: Da hat Herr Eumann pädagogisches Geschick bewiesen!)
Ob das pädagogisches Geschick war, Frau Altenkamp, das weiß ich nicht.
Schließlich und endlich musste Herr Eumann aber doch zugeben, dass man einen konkreten Haushaltstitel um 250.000 € erhöhen will, ohne dass ein Konzept vorhanden wäre, aus dem hervorgeht, was man denn nun eigentlich genau mit dem Geld machen will.
Auch wenn meine Fraktion es grundsätzlich sehr begrüßt, dass die Landesregierung Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz anstoßen will, scheint es doch ein merkwürdiges Vorgehen zu sein, wenn mal eben 250.000 € für einen Haushaltstitel eingestellt werden sollen und erst danach ein Konzept erarbeitet wird.
Versuchen Sie mal, zu einer Bank zu gehen und einen Existenzgründungskredit zu beantragen: Wenn Sie dann sagen, dass Sie Ihr Konzept erst vorlegen, wenn Sie das Geld haben, wird man Ihnen sehr schnell den Ausgang zeigen.
Ohne die wichtige Arbeit der Filmstiftung schmälern zu wollen, ist mir nicht ganz ersichtlich, weshalb der großzügig bemessene Etat dieser Einrichtung nochmals um 200.000 € erhöht wird, vor allem wenn man bedenkt, dass die Filmstiftung neben ihren anderen Aktivitäten auch die Digitalisierung von Kinos fördert, allerdings nur – und hier liegt das Problem – die Digitalisierung von gewerblichen Kinos.
Die kommunalen Kinos bleiben außen vor. Aber gerade diese kommunalen Kinos sind wichtig für kleine Städte, die von Großstädten mit uniformen Multiplexen umgeben sind. Es gibt nämlich genug Menschen, die für einen Kinobesuch nicht aus ihrer Stadt herauswollen, und es gibt auch genug Personen, die Multiplexkinos einfach per se ablehnen.
Wenn die kommunalen Kinos nicht dabei unterstützt werden, ihre Kinos an den technischen Fortschritt - sprich: die Digitalisierung - anzupassen, fallen sie immer weiter ab und sind schließlich in ihrer Existenz bedroht; denn in einigen Jahren wird es keine Filmrollen mehr geben – in ca. fünf Jahren wird man in NRW digitalisiert sein –, die Filme werden dann auf digitalen Datenträgern ausgeliefert. Ohne die passende Technik kann man Kinos nur noch schließen.
Kommunale Kinos sind freiwillige Leistungen der Städte, und dafür dürfen viele Städte kein Geld mehr ausgeben. Um dem entgegenzuwirken, haben wir einen Antrag eingebracht: Wir wollen zunächst vier kommunale Kinos aufrüsten und dies in den darauffolgenden Jahren weiter fortführen.
Auch wenn es in den bisherigen Beratungen keine Mehrheit für unseren Antrag gab, möchte ich daran erinnern, dass die kommunalen Kinos wichtige Bestandteile der Filmkultur sind, und wir hoffen, dass die Landesregierung sie nicht im Regen stehen lassen wird und eine andere Lösung findet.
Im Übrigen ist es so:
O Die Sozialistengesetze des vorletzten Jahrhunderts und die daraus resultierende Verfolgung waren falsch.
O Die Beobachtung der Grünen in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts war falsch.
O Die derzeitige politisch motivierte geheimdienstliche Beobachtung der Linken ist ebenso falsch.
Ich danke für Ihre Geduld.
Rede mit Video
In einer Rede im Plenum am 13.4.2011 über den Haushalt sprach Ralf Michalowsky die Ministerpräsidentin direkt an. Peinlich für Hannelore Kraft: Sie war in einigen Details wohl nicht richtig informiert und musste sich durch Ralf Michalowsky belehren lassen.
Die Rede im Wortlauf:
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,
Ich muss noch Wasser auf die Mühlen gießen. Natürlich muss die Ministerpräsidentin das Land repräsentieren und hat somit auch die Aufgabe, Kongresse und Veranstaltungen zu organisieren, Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Zusammenhängen zu treffen und mit ihnen die verschiedensten Problemlagen und Forderungen zu diskutieren.
Allerdings muss bei diesen Veranstaltungen klar zu erkennen sein, dass es sich bei der Veranstalterin um die Ministerpräsidentin des Landes und nicht um die SPD-Politikerin Hannelore Kraft handelt.
Diese notwendige Klarheit in der Trennung der Ämter „Nordrhein-Westfälische Ministerpräsidentin“ und der „Nordrhein-Westfälischen SPD-Vorsitzenden“ Hannelore Kraft wird durch die Fortführung der aus dem Landtagswahlkampf stammenden „TatKrafttour“ verwischt. Deshalb haben wir sie, mit freundlicher Unterstützung von CDU und FDP – herzlichen Dank, meine Damen und Herren - aus dem Etat genommen.
Herr Priggen zählte gerade die bisherigen Praktika von Frau Kraft auf und bezeichnete das als „Kennenlernen der Lebenswirklichkeit“. – Das kann man machen. Ich hätte mir Praktika in der Art gewünscht, dass man als einzige Verkaufskraft in einer Schlecker-Filiale einen ganzen Tag lang arbeitet.
(Zuruf von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft)
Danke, ich werde dann gucken kommen. Ich komme als Kunde. Ich denke, dass das kein Zuckerschlecken ist wie die übrigen Praktika, die Frau Kraft bisher absolviert hat.
Wir freuen uns auch, dass die CDU inzwischen verstanden hat, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie einem Antrag meiner Fraktion zustimmt, den sie inhaltlich richtig findet. Im Gegenteil.
Man kann tatsächlich auch aus der Opposition heraus gestalten. Also bleiben Sie dabei, verehrte Kolleginnen und Kollegen, machen Sie weiter so! Zudem habe ich in den letzten Tagen keine roten Fahnen auf öffentlichen Gebäuden Nordrhein-Westfalens gesehen. Es geht also.
Des Weiteren ist natürlich die Frage berechtigt, ob denn die zahlreichen Einzelveranstaltungen im Rahmen der Repräsentationsverpflichtungen des Landes und seiner Ministerpräsidentin immer den derzeitigen Kostenrahmen haben müssen oder ob es nicht Obergrenzen geben sollte. Darüber sollte einmal ernsthaft diskutieren.
Dies scheint umso mehr angebracht, als man, wenn man genau hinschaut, feststellt, dass alle Einzelveranstaltungen mit einem unterschiedlichen Kostenansatz versehen sind und ausgerechnet für die Gedenkveranstaltungen für Johannes Rau die mit Abstand höchsten Aufwendungen anfallen.
Meine Damen und Herren, es ist keine Frage, dass Johannes Rau ein großer Politiker war. Seine Verdienste für das Land NRW sind immens und werden nicht bestritten, auch nicht von meiner Fraktion.
Es ist aber auffällig, dass immer dann, wenn es um SPD-Politiker geht, die Staatskanzlei so richtig in die Tasche greift.
So sollte auch eine Veranstaltung anlässlich des 50. Jubiläums von Willy Brandts Rede „vom blauen Himmel über der Ruhr“ stattfinden.
(Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: Gibt es doch gar nicht!)
So muss ich doch sagen, dass ich Gedenkveranstaltungen für das Jubiläum von Reden ein wenig befremdlich finde.
(Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: Die gab es schon vorher nicht!)
Frau Kraft, wir haben uns die Tondatei der HMA-Sitzung zukommen lassen und abgehört. Ihr Staatssekretär, der hinter Ihnen sitzt, hat wörtlich gesagt: Es soll eine Feier zum 50. Jahrestag der REde von Willy Brandt „Vom blauen Himmel über der Ruhr“ geben. Leugnen Sie das bitte nicht. Holen Sie sich die Tondatei, dort können Sie das ganz genau nachhören. Das ist eindeutig.
Frau Ministerpräsidentin, ich sage Ihnen ganz deutlich: Wahren sie Distanz bei solchen Veranstaltungen! Das tut uns und auch dem Land gut. In ihrer Funktion als erste Bürgerin des Landes Nordrhein-Westfalen haben Sie überparteilich zu wirken. Das bedeutet, dass sie Veranstaltungen der NRW-SPD auch von dieser finanzieren lassen sollten und nicht aus dem Etat der Staatskanzlei! Ich hoffe, dass Sie uns mit dem nächsten Haushalt einen Entwurf vorlegen, in dem es keine Veranstaltungen mit eindeutigem SPD-Bezug gibt. Das erspart uns das Schreiben von Anträgen auf Streichung und Ihnen die Diskussionen um Geschmäckle und um mangelndes politisches Fingerspitzengefühl.
Im Übrigen ist es so – das kennen Sie schon:
O Die Sozialistengesetze des vorletzten Jahrhunderts und die daraus resultierenden Verfolgungen waren falsch!
O Die Beobachtung der Grünen in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war falsch!
O Die derzeitige, politisch motivierte geheimdienstliche Beobachtung der LINKEN ist falsch!
Wir werden uns an der Abstimmung über diesen Einzelplan nicht beteiligen. Ich danke für Ihre Geduld!
Rede mit Video
Ralf Michalowsky sprach am 31.03.2011 zum Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen und zur Demokratisierung des Kontrollgremiums des Verfassungsschutz, in welchem die LINKE als einzige Partei im Landtag nicht vertreten ist.
Die Rede im Wortlaut:
Ralf Michalowsky: Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Unsere Kontrolle durch Geheimdienste wurde von dieser Regierung und der Vorgängerregierung in Auftrag gegeben. Gleichzeitig wird uns verweigert, die Arbeit der Geheimdienste zu kontrollieren.
Am vergangenen Montag hat der Innenminister wieder einmal ein Märchenbuch mit dem Titel „Verfassungsschutzbericht“ vorgestellt. Zumindest den Teil, der sich mit meiner Partei beschäftigt, kann man nicht anders bezeichnen.
Es beginnt schon in der Zeile 3. Dort wird die Gründung unserer Partei in NRW auf den Oktober 1990 datiert. Richtig wäre der Oktober 2007.
Da haben wir noch einmal Glück gehabt! Der Oktober 1917 als Assoziationsgrundlage hätte die Fantasie der sogenannten Verfassungsschützer wohl noch mehr beflügelt.
Vizepräsident Oliver Keymis: Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Frau Kollegin Düker?
Ralf Michalowsky: Gerne.
Monika Düker (GRÜNE): Herr Kollege, Sie haben gerade den Verfassungsschutzbericht im Hinblick auf die Darstellung Ihrer Partei als Märchenbuch bezeichnet. Damit unterstellen Sie der Landesregierung Falschaussagen. In einem Rechtsstaat darf jeder, über den Falschaussagen öffentlich verbreitet werden, zu einem Gericht gehen und dagegen klagen. Beim Verfassungsschutzbericht haben das im Übrigen schon viele gemacht und auch recht bekommen. Dann müssen diese Passagen geändert oder gelöscht werden. Warum tun Sie das nicht? Oder beabsichtigen Sie es? Oder trauen Sie unseren Gerichten nicht zu, hier eine rechtsstaatlich einwandfreie Entscheidung zu treffen?
Ralf Michalowsky (LINKE): Verehrte Kollegin, Sie haben ein merkwürdiges Verständnis von Märchenbüchern. Die sagen etwas völlig anderes aus als das, was Sie gerade schildern.
Lassen Sie mich weiter fortführen. Dann werden Sie es sicher auch verstehen.
Auf den neun Seiten hat man sich nach dem altbewährten Motto ausgetobt: Jetzt tun wir denen mal wieder einen rein; es wird schon etwas hängen bleiben.
Legt man rechtsstaatliche oder gar rechtswissenschaftliche Maßstäbe an, wird Versagen auf der ganzen Linie deutlich. Das hat man schon beim Wissenschaftsanspruch des Herrn zu Guttenberg gemerkt. An vielen Stellen im Text, beginnend schon in der Zeile 12, wird von „die Anhaltspunkte für den Verdacht … begründen“ fabuliert. Weitere nicht belastbare Nachweise folgen: „Dies hat … zu der Einschätzung geführt“; „bei denen entweder Anhalts-punkte für eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht da-für begründen“; „Allerdings drängt sich der Verdacht auf“; „Die Begrifflichkeit … legt nahe“.
Mit solchen pauschalen Verdächtigungen kann man jede Oma des Bankraubs beschuldigen. Aber wenn dann nicht mehr kommt, zum Beispiel Beweise, würde jede Oma freigesprochen. Im Volksmund würde man den Bericht jedenfalls als „großen Kappes“ bezeichnen.
Ich halte es da lieber mit einem Zitat des geschätzten Kollegen Rüttgers vom 1. Juni 2004, nachzulesen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der damalige CDU-Landesvorsitzende sagte, ein Festhalten an 17 Verfassungsschutzämtern stelle durchaus ein sicherheitspolitisches Risiko dar. Wo er recht hat, hat er recht!
Ich finde es politisch sehr bedenklich, wenn der Verfassungsschutz eine demokratisch in den Landtag von NRW gewählte Partei beobachtet und die anderen in diesem Landtag vertretenen Parteien, die ja medial davon profitieren, sich hämisch zurücklehnen. Gleichzeitig verhindern diese angeblichen Hüter der Demokratie, dass meine Fraktion die Möglichkeit hat, durch eine Mitgliedschaft im Kontrollgremium für den Verfassungsschutz die Arbeit und Verfahrensweise desselben zu kontrollieren. Man nutzt also einen staatlichen Geheimdienst dazu, sich mediale strategische Vorteile zu verschaffen.
Sie mögen das noch unter den Begriff „Demokratie“ subsumieren. Ich tue das nicht. Ich nenne das schändlichen Machtmissbrauch. Sie wissen auch genau, dass ich damit recht habe.
Die Tätigkeit der Verfassungsschutzbehörde NRW unterscheidet sich insbesondere aus rechtsstaatlicher Perspektive wesentlich von jeder anderen Verwaltungstätigkeit. Während sonst etwa Verwaltungsverfahren öffentlich sind, indem sie durch Anhörungen, Akteneinsichtsrecht und Begründung gegenüber den Betroffenen Transparenz, Kontrolle und effektive gerichtliche Verteidigung ermöglichen, fehlt diese für einen Rechtsstaat kennzeichnende Öffentlichkeit bei Geheimdiensten wie dem Verfassungsschutz. Rechtswidrige, verfassungswidrige Eingriffe in Grund- und Verfassungsrechte wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Recht der Parteienfreiheit sind somit grundsätzlich einer effektiven Kontrolle entzogen.
Vizepräsident Oliver Keymis: Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Laschet?
Ralf Michalowsky (LINKE): Nein.
Vizepräsident Oliver Keymis: Keine Zwischenfrage.
Ralf Michalowsky (LINKE): Die andere hat ja auch nicht viel gebracht. – Eine Institution, die helfen soll, die Grund- und Verfassungsrechte von Betroffenen zu wahren, ist das sogenannte Kontrollgremium.
Das Grundgesetz hat in Art. 21 den Parteien einen besonderen Status im Staats- und Gesellschaftsgefüge zuerkannt, weil Parteien zentrale Orte der politischen Willensbildung sind. Diesen besonderen Status hat jede Partei, soweit sie nicht vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt wird.
Eine erhöhte demokratische Legitimation haben solche Parteien, die von den Wählerinnen und Wählern zur Wahrnehmung ihrer Interessen in die Parlamente entsandt worden sind. Jede dieser Parteien sollte daher auch im Kontrollgremium des Landtags mit wenigstens einem Abgeordneten vertreten sein.
Werden solche Parteien vom Geheimdienst beobachtet, dann bestehen in besonderem Maße die Gefahren der Verletzung von Grundrechten von Abgeordneten und Parteimitgliedern.
Armin Laschet (CDU): Gilt das auch für die NPD?
Ralf Michalowsky (LINKE): Die hätte man verbieten können, wenn der Geheimdienst sauber gearbeitet hätte und nicht die Spitzel darin hätte.
Deshalb ist hier erst recht eine Vertretung im Kontrollgremium geboten.
Wir fordern Sie auf, unserem Gesetzentwurf zuzustimmen und dieses Demokratiedefizit abzustellen.
Im Übrigen gilt: Die Sozialistengesetze des vorletzten Jahrhunderts und die daraus resultierende Verfolgung waren falsch.
Die Beobachtung der Grünen in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts war falsch. Die derzeitige politisch motivierte geheimdienstliche Beobachtung der Linken ist ebenso falsch. – Ich danke Ihnen.
Die Rede als Video:
Rede mit Video
Bei der 21. Plenarsitzung am 19.01.2011 brachte die Fraktion die LINKE einen Gesetzentwurf für ein Gesetz zur Demokratisierung des Kontrollgremiums und einen Antrag auf Einstellung der Beobachtung der LINKEN durch den Verfassunsschutz ein.
Es ist ein Skandal und schlichtweg politisches Instrument der anderen Parteien, dass DIE LINKE als einzige Partei keine Mitglieder in das siebenköpfigen Gremium zur Kontrolle des Verfassungsschutzes entsenden darf, obwohl Teile DER LINKEN unter Beobachtung dieser Behörde stehen. Mit ihrem Antrag wollte DIE LINKE nochmal verdeutlichen, dass sie eine demokratische Partei ist und die Beobachtung grundsätzlich einzustellen ist.
In einer turbulenten Diskussion erklärte Ralf Michalowsy, der als 7. Redner sprach:
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,
ich würde mit Ihnen gern eine Abmachung treffen:
Sie hören auf Lügen über uns zu verbreiten
Wir verzichten künftig darauf die Wahrheit über Sie zu erzählen.
Wir muss Ihnen der Arsch auf Grundeis gehen, wenn Sie es nötig haben, uns durch Geheimdienste disziplinieren zu wollen.
Ich habe mir in den letzten Tagen noch einmal das Armutszeugnis, den Verfassungsschutzbericht angesehen. Wenn die 12 Seiten über DIE LINKE nicht von Ihnen zu Agitationszwecken in Auftrag gegeben wären, könnte man die Texte gut im Karneval verwenden.
Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel von Seite 111:
Dort steht ein Zitat aus den Landespolitischen Positionen DER LINKEN. NRW: „… der Einsatz natürlicher Ressourcen sowie die Produktion und Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums (soll) rational, sozial gerecht, nachhaltig und demokratisch geregelt…“ werden.
Die beamteten Schlapphüte kommentieren das so: „In der Formulierung „rational, sozial gerecht, nachhaltig und demokratisch“ sind alle Elemente enthalten, die auch die Forderung nach einer realsozialistischen Planwirtschaft denkbar erscheinen lassen.“ Und weiter: „Insbesondere der Begriff „rational“ entstammt marxistisch-leninistischem Sprachgebrauch“.
Ja, geht´s noch?
Welche Drogen muss man genommen haben um solch einen Unsinn zu schreiben?
Ich will Ihnen weiter Beispiele ersparen, holen Sie sich den Bericht, lesen Sie die Seiten 108 – 120 und entscheiden Sie selbst, ob man für solche Textergüsse Steuergelder ausgeben sollte.
Ich habe lange überlegt, warum es hochbezahlten Beamten nicht zu peinlich ist solchen Unsinn zu schreiben. Am letzten Wochenende habe ich die Texte mit mehreren Psychologen erörtert; die kamen allesamt zu dem Ergebnis, dass es sich hier um eine Art Hilferuf von Menschen handelt, die schlechte Nachrichten zu Papier bringen sollen, nichts finden und deshalb mit diesem abstrusen Zeug auf ihre Not aufmerksam machen wollen.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es auch eine Fürsorgepflicht des Innenministers für seine Mitarbeiter gibt.
Kommen wir mal zu den tatsächlichen Extremisten:
Sinnvoll wäre beispielsweise diesem unsäglichen Herrn Stadtkewitz aus der CDU ein wenig Aufmerksamkeit zu gönnen.
Sie wissen, das ist die Vorhut von Sarrazin, der Mann wurde über die CDU in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt und bringt jetzt „Die Freiheit“ von Berlin nach NRW.
Zitat von Stadtkewitz: „Die Steigerung der Fortpflanzungsquote zum Volkserhalt“ soll jetzt Programm werden.
Sind solche Gedanken in Ihrer Partei eigentlich üblich Herr Laumann?
Oder wo hat der Rechtspopulist das her?
Meine Redezeit ist zu ende.
Deshalb ist es wichtig, dass auch wir im Kontrollgremium für den Verfassungsschutz vertreten sind. Wir müssen prüfen, ob nicht andere außer uns in dieser Weise belästigt werden.
Ich danke Ihnen.
Die CDU-Fraktion reichte zur 21. Plenarsitzung am 19.01.2011 den Antrag ein, die Stadt München bei der Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 durch das Land Nordrhein-Westfalen zu unterstützen. Ralf Michalowsky, Mitglied des Sportausschusses, erklärt in einer Rede, warum sich seine Fraktion diesem Wunsch nicht anschließen wird:
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren, verehrte Kolleginnen und Kollegen der CDU,
sie behaupten in Ihrem Antrag, dass die Ausrichterregionen von olympischen Spielen durch Belebung des Arbeitsmarkts und der Wirtschaft infolge gesteigerter Tourismuszahlen zu den Gewinnern eines solchen Sportgroßereignisses gehören würden.
Offensichtlich haben Sie sich nicht ausreichend mit den Fakten und der Geschichte nach den olympischen Spielen in den Ausrichterregionen beschäftigt.
Als erstes muss in diesem Zusammenhang festgestellt werden, dass das internationale Olympische Komitee (IOC) mit einem unglaublichen Knebelvertrag arbeitet, der in dieser Form in Deutschland eigentlich gar nicht zulässig ist.
Während dem IOC sämtliche Gewinne aus den Spielen zugesichert werden, sind die Hauptkostenträger die Kommunen und Gemeinden.
Da München und Garmisch-Partenkirchen mit zu den höchst verschuldeten Gemeinden Bayerns gehören, kann davon ausgegangen werden, dass hier, wenn der Zuschlag zur Ausrichtung nach Bayern geht, Handlungsunfähigkeit für andere wichtige kommunale Politikfelder die Folge sein wird – wie es z. B. in der Region Piemont der Fall ist.
Der Großteil der Kommunen in der Region ist heute zahlungsunfähig.
Doch zurück zum Knebelvertrag des IOC: Der Vertrag ist so formuliert, dass das IOC seine Vertragsgegenstände jederzeitig noch nachträglich und einseitig verändern kann – wie gesagt, ein solches Vertragswerk entbehrt jeder rechtlichen Grundlage.
Die Stadt München, der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland verpflichten sich, jede gewünschte Veränderung des IOC unbesehen umzusetzen, ein unglaublicher Vorgang!
Für die Marketingstrategie des IOC ist diese Möglichkeit jedoch wichtig, dass hat sich bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen in diesem Jahr gezeigt.
Denn hier wurden massive Abstriche am Umweltkonzept gemacht – um den Medien einen freien Blick auf die gesamte Wettkampfstrecke zu gewährleisten. Das lässt Rückschlüsse auf die ökologische Nachhaltigkeit der Olympischen Spiele zu.
Denn mit dieser ist es nicht weit her, darauf machen Naturschutzverbände in Bayern immer wieder aufmerksam. Das fängt schon mit der Wahl der Orte an.
Die alpinen Wettbewerbe sollen in Garmisch-Partenkirchen und dem Loisachtal stattfinden – also in einer Gegend, die schlicht zu klein für ein solches Großereignis ist.
Außerdem befinden wir uns dort gerade einmal 700 m ü. NN – eine Höhe in der es noch keine Schneegarantie gibt. Bereits 2007 konnte die Weltcup-Abfahrt in Garmisch Partenkirchen nur durch Schneetransporte mit LKW aus dem 100 km entfernten Wipptal gesichert werden – ein immenser finanzieller und ökologisch nicht vertretbarer Aufwand!
Die Gewährleistung der Befahrbarkeit der Pisten kann nur mithilfe von Schneekanonen und einem enormen Verbrauch an Wasser und Energie erfolgen.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Akzeptanz innerhalb der Region selber. Viele Landwirte in Garmisch Partenkirchen wollen ihre Flächen, auf denen schon ohne Nachfrage verschiedenste Wettbewerbe geplant wurden, nicht zur Verfügung stellen. Und da wird dann laut über Enteignungen nachgedacht.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen von der CDU, ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal gegen Enteignungspläne von Ihrer Seite stellen muss!
Wir machen Sie gerne darauf aufmerksam, dass die Enteignung von Bürgerinnen und Bürgern nur dann grundgesetzlich legitimiert ist, wenn es einem höheren Gemeinwohl förderlich ist.
Dies ist bei der Bedienung der Interessen eines Sportverbandes jedoch nicht zu erkennen und darum müssen Sie und Ihre Schwesterpartei in Bayern sich fragen lassen, wie sie es mit der Verfassung halten!
Meine Fraktion wird Antrag selbstverständlich ablehnen.
Im Übrigen ist es so:
Ich danke Ihnen!
Mit Video!
Rede von Ralf Michalowsky, medienpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag von NRW zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV). "Ein gutgemeintes, wichtiges und unterstützenswertes Ziel. Doch ist das, was zu Papier gebracht wurde, leider ein Rohrkrepierer."
Es gilt das gesprochene Wort!
Herr Präsident,
Meine Damen und Herren,
wenn es den Mächtigen auf dieser Welt an den Kragen geht, dann ist alles möglich.
Wir sehen das im Moment bei Wikileaks.
Und das alles, um die geheimen unsauberen Machenschaften der Herrschenden im Verborgenen zu belassen.
Ganz anderes geht man da bei uns in Deutschland mit dem Jugendschutz im Internet um!
Im Visier der selbsternannten Jugendschützer sind wir alle.
Man hat die Absicht, Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Inhalten zu schützen, in einer großen Keule verschriftlicht und nennt das Ganze Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.
Wenn man sich auch nur ein wenig mit dem Internet auskennt, dann merkt man schnell, dass dieses Gesetz realitätsfern, untauglich und völlig unqualifiziert ist.
Man kann damit das geplante Ziel überhaupt nicht erreichen, weil die angestrebten Instrumente nicht funktionieren können.
Alle Webseiten in Deutschland, das sind einige hundert Millionen, müssten so programmiert werden, dass sie eine Altersfreigabe enthalten, die ein Programm erkennen soll, das es noch gar nicht gibt.
Seiten die diese Codierung nicht enthalten, werden durch die Programme automatisch gesperrt.
Seitenbetreiber, die absichtlich oder versehentlich eine zu niedrige Altersfreigabe einprogrammieren, laufen Gefahr wegen der Erschleichung eines Wettbewerbvorteils abgemahnt zu werden.
Tests haben ergeben, dass ca. 80 % der Einstufungen falsch vorgenommen werden.
Bestimmte Inhalte dürfen nur innerhalb bestimmter Zeitfenster erreichbar sein.
Den Machern dieses Gesetzes scheint nicht klar zu sein, wie das Internet funktioniert und die Silbe „Inter“ für International steht.
Entweder das, oder sie haben sich nicht ausreichend inhaltlich mit diesem Entwurf beschäftigt.
Letzteres hat uns Herr Witzel ja in der letzten Sitzung des HMA bestätigt. Denn dank seiner Einlassungen dort wissen wir ja nun, dass seine beiden damaligen Koalitionskollegen Herr Wolf und Herr Pinkwart, die ja heute gegen diesen Entwurf stimmen wollen, im Kabinett Rüttgers, dem sie als Minister angehört haben, noch dafür gestimmt haben. Diesen Widerspruch hat Herr Witzel damit begründet, dass die beiden Minister aufgrund der Kürze der Zeit, die sie zur Beschäftigung mit dem Entwurf hatten, diesen gar nicht inhaltlich kennen und bewerten konnten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU und der FDP, wenn es bei ihnen üblich ist, dass ihre Ministerinnen und Minister Sachverhalte zur Beschlussfassung empfehlen, ohne sie tatsächlich zu kennen, dann hoffe ich inständig, dass sie nie wieder Ministerposten in diesem Land besetzen dürfen!
Doch zurück zur Funktionsweise des Internets: Ob ein Server in Berlin, in Peking oder auf den Fidschi-Inseln steht, merkt der normale Nutzer nicht.
Wer glaubt, er könne mit nationalen Lösungen das Internet bändigen, der hat, ich sag es mal ganz deutlich, der hat keine Ahnung!
Jede/r halbwegs clevere 13-jährige kann sich so viele Gewaltvideos und Pornographie aus dem Netz herunter laden, wie er oder sie im Leben nicht wird anschauen können.
An diesem Fakt ändert der vorliegende Entwurf des JMStV nicht das Geringste!
Darum werden wir uns nicht an diesem Unsinn beteiligen, wir lehnen diesen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ab.
Dass es heute wahrscheinlich eine breite Front gegen diesen Vertrag gibt, ist weniger den hier vertretenen Politikern zu verdanken – die haben sich bis vor wenigen Tagen zu fast etwa 87 % noch für den Vertrag ausgesprochen.
Peinlich für den Parlamentarismus in Deutschland waren die bisher 15 gelaufenen Abstimmungen in den Länderparlamenten.
Alle dort vertretenen Parteien – auch meine – haben überall dort, wo sie in der Opposition sind dagegen und dort, wo sie in der Regierung sind, dafür votiert.
Peinlicher geht´s nimmer!
Solch ein Verhalten, dem politische Deals, Fraktions- und Koalitionszwänge zugrunde liegen, gründet sich nicht auf Sachentscheidungen und ist geeignet weitere Politikverdrossenheit zu erzeugen.
Dank gebührt der riesigen Internetgemeinde, die den nötigen Druck aufgebaut und die Öffentlichkeit aufgerüttelt hat.
Ich gratuliere Ihnen – da draußen - ausdrücklich dazu, das ist auch Ihr Sieg.
Ziehen wir gemeinsam eine Lehre aus dem Vorgang!
Das Internet gehört niemandem und wenn überhaupt, dann uns allen!
Betroffene müssen künftig rechtzeitig in Planungen und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Niemandem fällte ein Zacken aus der Krone, wenn er mal ein kleines bisschen seiner vermeintlichen Macht abgibt.
Im Übrigen ist es so:
Die Sozialistengesetze des vorletzten Jahrhunderts und die daraus resultierenden Verfolgungen waren falsch!
Die Beobachtung der Grünen in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war falsch!
Die derzeitige, politisch motivierte geheimdienstliche Beobachtung der LINKEN ist falsch!
Ich danke Ihnen!
Die Rede als Video
Mit Video!
Zur Debatte um den Castor-Transport im November 2010 erklärte Ralf Michalowsky, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE im Landtag von NRW, dass die Schwarz-Gelbe Bundesregierung den nächsten 30.000 (!) Generationen atomare Altlasten aufbürge.
Ralf Michalowsky bezeichnete die Aktion "Castor schottern" als neue Aktionsform, die eine Reaktion auf die dramatische Atompolitik der Regierung sei.
Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren!
Uns liegt wieder einmal ein Schauantrag von CDU und FDP vor, mit dem versucht wird, von der fatalen Atompolitik der Bundesregierung abzulenken.
(Beifall von der LINKEN)
Wir alles wissen, dass Schwarz-Gelb die Farben Warnfarben von Radioaktivität sind. Diese Wahl der Farben hat man vor langer Zeit zu Recht getroffen.
(Beifall von der LINKEN)
Sie wollen eine Anklagebank zimmern. Das können Sie gerne tun. Ich helfe Ihnen dabei sogar mit. Aber auf dieser Anklagebank gehört Angela Merkel mit ihrer gesamten Atom-Mischpoke. Die gehören angeklagt.
(Beifall von der LINKEN)
Daneben können Sie all jene platzieren, die weiter unterstützen, dass sich die Atomkonzerne Milliarden in die Taschen stecken, ohne dass es ein nachhaltiges Entsorgungskonzept für die strahlende Hinterlassenschaft gäbe. Sie gehören mit auf diese Bank.
(Beifall von der LINKEN)
Wer so etwas toleriert - das tun Sie mit Ihrem Antrag - ist mitschuldig, wenn - wir wollen es nicht herbeireden - der nächste große Atomunfall passiert.
(Manfred Palmen [CDU]: Blödsinn!)
Sie, meine Damen und Herren von Schwarz-Gelb, sind verantwortlich für weiter entstehende Altlasten, mit denen sich die nächsten 30.000 Generationen herumschlagen müssen. Durch die Laufzeitverlängerung um weitere zwölf Jahre werden einige Tausend Tonnen Atommüll zusätzlich produziert. Das haben Sie zu verantworten.
(Beifall von der LINKEN)
Ihr Versuch, mit diesem Antrag Solidarität mit der Polizei zu zeigen, ist eine einzige dicke Schleimspur. Schließlich sind Sie die Verursacher der Auswirkungen Ihrer menschenverachtenden Energiepolitik. Ohne Ihre Politik hätten die Polizisten im Wendland keinen Stress bekommen.
(Beifall von der LINKEN)
Zum Thema „Castorschottern“. Vor einigen Jahren war die Sitzblockade noch strafbewehrt, heute soll es das Schottern sein. Ich sage Ihnen: Die dramatische Verschärfung der Energiepolitik der Bundesregierung erfordert auch neue Aktionsformen.
(Zurufe von der CDU: Oh, oh!)
Wenn die Regierung mit den Konzernen gegen die Mehrheit der Bevölkerung gemeinsame Sache macht, muss man sich nicht über den massiven Widerstand aus der betroffenen Bevölkerung wundern. Ihre Beschreibung der Zustände im Wendland ist faktenfrei. Wären Sie vor Ort gewesen, hätten Sie gemeinsam mit 3.000 Menschen so wie ich morgens um 06:00 Uhr stundenlang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum durch die Wendland-Auen wandern können.
(Beifall von der LINKEN)
Herr Biesenbach - ist er noch hier? - Nein. - Ich wollte gerade an Ihr altes Pfadfinderherz appellieren. Da schlägt sein Herz doch höher, wenn man sich das so vorstellt. Es war ein herrliches Gefühl und zumindest für meine Gesundheit ein nachhaltiger Beitrag.
Dass es dann im Verlaufe des Vormittags gezielte Reizgasladungen in die Augen gab, war nicht sehr lustig. Heute Vormittag erreichte mich eine Mail, aus der hervorgeht, dass die Bundespolizei 2.190 Sprühgeräte mit synthetischem Pfefferspray als Ersatzbeschaffung nach dem Gorlebeneinsatz angefordert hat. Durch diese Waffe, die auch gegen Sitzblockierer eingesetzt wurde, gab es schon mehrere Todesfälle. Das wissen Sie genau, nehmen es aber offensichtlich zur Durchsetzung Ihrer Atompolitik billigend in Kauf.
(Beifall von der LINKEN)
Wir fordern ein Verbot des Pfeffersprays. Mehrere hundert Demonstranten bekamen die Polizeiknüppel zu spüren. Ich habe es selbst gesehen. Tränengasgranaten wurden in die Menge geschossen. Polizeipferde haben friedliche Menschen verletzt. Das alles haben Sie mit Ihrer Politik zu verantworten.
(Beifall von der LINKEN - Zuruf von der CDU: Blödsinn!)
Herr Engel, ich lade Sie ein, beim nächsten Mal mit ins Wendland zu fahren. Für reichlich Gelegenheit dazu hat Ihre Politik ja gesorgt. Es wird noch weitere Transporte geben. Im Gespräch mit vielen protestierenden Menschen werden Sie dann feststellen, dass Menschen aus allen Altersgruppen und Schichten gegen Ihre Politik protestieren. Sie werden auch feststellen, dass der Protest gegeben Ihre Atompolitik nicht links, nicht rechts, sondern einfach nur vernünftig ist.
Ich danke Ihnen.
(Beifall von der LINKEN)
Die Rede als Video:
Auszug aus der Rede Ralf Michalowskys: "Das vorliegende und zur Diskussion stehende Modell zur Erhebung der Rundfunkgebühren verabschiedet sich von dem Grundsatz, dass man nur für etwas bezahlt, das man auch nutzt und verbraucht. Niemand käme auf die Idee - hören Sie bitte einmal weg, Herr Finanzminister - auch diejenigen mit einer Kraftfahrzeugsteuer zu belasten, die überhaupt kein Fahrzeug besitzen oder benutzen."
Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren!
Liebe Besucher auf den Rängen!
Wir reden hier über ein Thema, von dem jeden Monat ca. 80 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Das vorliegende und zur Diskussion stehende Modell zur Erhebung der Rundfunkgebühren verabschiedet sich von dem Grundsatz, dass man nur für etwas bezahlt, das man auch nutzt und verbraucht. Niemand käme auf die Idee hören Sie bitte einmal weg, Herr Finanzminister, auch diejenigen mit einer Kraftfahrzeugsteuer zu belasten, die überhaupt kein Fahrzeug besitzen oder benutzen.
Aber die Finanznot treibt ja bekanntlich seltsame Blüten. Ich erinnere nur an die aktuelle Sonnenbankabgabe in Essen, die zwar gesundheitspolitisch sinnvoll ist, aber auf Fantasien der Kämmerer hindeutet, die uns in den nächsten Monaten sicher noch weiter überraschen werden.
Beim Rundfunk will man ebenfalls einen neuen Weg gehen. Zahlen sollen auch diejenigen, die überhaupt keine Rundfunk- und Fernsehgeräte besitzen. Wenn es eine öffentlich-rechtliche Zeitungslandschaft gäbe, dann würden Sie wahrscheinlich auch denjenigen Geld aus der Tasche ziehen, die eine ausgeprägte Holzallergie haben und deswegen keine Zeitungen lesen.
Wir wollen, dass nur diejenigen für den Rundfunk zahlen, die ihn auch nutzen. Wer nur das Radio oder ein neuartiges Empfangsgerät wie den PC oder das Handy nutzt, soll nur die Grundgebühr zahlen, die Unternehmen sollen wie bisher über die Rundfunkgebühr an der Finanzierung des Rundfunks beteiligt werden, und die bestehenden Regeln zur Befreiung von der Gebührenpflicht aus sozialen Gründen müssen beibehalten werden.
Die Zahlung der Rundfunkgebühr an die GEZ sollte für befreite Personen, das ist neu, auf Antrag die Behörde übernehmen, die die Leistungen zahlt, deren Erhalt die Voraussetzung für eine Befreiung von der Gebührenpflicht ist. Das bringt Mehreinnahmen von ca. 800 Millionen € für die Sender. Wir wollen zusätzliche Befreiungen für Bibliotheken, Hochschulen und Feuerwehren. Die Zweit- und Drittgebühr für Zweitwohnungen und Gartenhäuschen sowie für Dienstwagen bzw. Arbeitszimmer muss abgeschafft werden. Das ergibt eine Mindereinnahme von 160 Millionen €.
Zum Datenschutz: Die Datenschutzbeauftragten haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Das gesamte Gebühreneinzugs- sowie Befreiungsverfahren ist entsprechend den Empfehlungen der Datenschutzbeauftragten zu verändern. Wir brauchen neben ELENA und Google keine weitere Datenkrake.
Die GEZ muss transparenter, bürgerfreundlicher und bürgernäher umgestaltet werden. Die Fangprämien der Kontrolleure sind abzuschaffen, und die Gebührenbeauftragten müssen einen Verhaltenskodex einhalten. Potenzielle Gebührenzahler dürfen nicht wie Kriminelle, sondern müssen wie Kundinnen und Kunden behandelt werden.
Zur Werbefreiheit: ARD und ZDF sollten mit Ausnahme von Sportübertragungen werbe- und sponsoringfrei sein. Das bedeutet Mindereinnahmen von ca. 500 Millionen €.
Würde unser Modell umgesetzt, hätten ARD, ZDF und Deutschlandradio bei gleichbleibender Gebührenhöhe Mehreinnahmen von ca. 140 Millionen €.
Bei der Gesamtsumme ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin gäbe es keine Einnahmenminderung.
Ich danke Ihnen.
Ralf Michalowsky, parlamentarische Geschäftsführer der NRW-Landtagsfraktion DIE LINKE zum Thema "Hohe Gebühreneinnahmen verpflichten zu hochwertigem Rundfunk"
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
Öffentlich-Rechtliche und Private konkurrieren um Aufmerksamkeit. Das Maß an jeweils erzeugter Aufmerksamkeit wird durch Einschaltquoten ermittelt.
Im privaten Rundfunksystem korreliert diese mit der Höhe der Werbeeinnahmen. Auf Letzteren basiert das Geschäftsmodell der Privaten.
Im überwiegend gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem hingegen bezeichnet Werbefinanzierung lediglich einen Nebenaspekt.
Dennoch ist eine Tendenz zur Banalisierung und Verflachung des Programmangebots, wie sie der originären Eigenlogik der Privaten und ihres auf Quote ausgerichteten wirtschaftlichen Wettbewerbsdrucks entspringt, zunehmend auch bei den Öffentlich-Rechtlichen zu beobachten. Mit der Dualisierung des Rundfunksystems gab es eine Entwicklung, die man als Selbstkommerzialisierung bezeichnen kann. Obgleich von den Programmverantwortlichen vehement in Abrede gestellt, lässt sich eine Konvergenz von öffentlich-rechtlichen Angeboten hin zu den Programmformaten der Privaten nicht länger in Abrede stellen. Unter unabhängigen Fachleuten erscheint lediglich das Ausmaß an Konvergenz streitig, nicht aber der Befund selbst.
Erkennbare Defizite in der Programmqualität und der Unabhängigkeit der Programmgestaltung sind allem Anschein nach hausgemacht. Auch werden die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch Schleichwerbungsskandale und durch eine nach parteipolitischen Erwägungen erfolgte Personalpolitik geschwächt. Forciert wird dieser Prozess darüber hinaus durch einen von Eigeninteressen geleiteten ökonomisch-journalistischen Komplex. Darunter sind wirtschaftliche Eigeninteressen von Moderatorenproduzenten ebenso wie jene von kommerziell agierenden Beteiligungsgesellschaften und solche der leitenden Programmverantwortlichen von ARD und ZDF selbst zu erfassen.
Im Kontrast zur Machtposition dieses Interessenkonflikts befinden sich die programmgestaltenden Rundfunkmitarbeiter und -mitarbeiterinnen systembedingt im Nachteil. Zwar können sie sich auf ihre Freiheit der Meinungsäußerung und die Freiheit des Rundfunks gegenüber staatlichen Eingriffen berufen, aber nicht gegenüber ihren eigenen Rundfunkanstalten und Führungskräften. Eine Stärkung der organisatorischen Binnenpluralität durch Einführung gesetzlich verpflichtender Redakteursstatute ist daher ebenso erforderlich wie eine grundlegende Modernisierung des öffentlichen Funktionsauftrags.
Die Medienlandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Umbruchprozess. Mit der Pluralisierung der Verbreitungswege von digitalen Medieninhalten bedarf es einer zukunftsorientierten publizistischen Vielfaltsicherung. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk behält auch im Digitalzeitalter einen besonderen Funktionsauftrag. Um den Bedingungen einer sich verändernden Medienwelt gerecht zu werden, muss er die mit der Digitalisierung verbundenen Entwicklungspotenziale wahrnehmen und nutzen können. Daher und angesichts der enormen Dynamik des Internets darf den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten keine formale Beschränkung in der Wahl des zu erbringenden digitalen Angebots auferlegt werden.
Sicherzustellen ist allerdings, dass eine neue digitale Aktivität im Rahmen des Budgets erfolgt und nicht über eine stetige Erhöhung der Rundfunkgebühren in Rechnung gestellt wird. Als Orientierungsrahmen gilt hier: Der Empfang der Öffentlich-Rechtlichen muss für die Bürgerinnen und Bürgern im Digitalzeitalter, in dem die Kosten für Mediennutzung insgesamt steigen, bezahlbar bleiben. Nur so kann die gesellschaftliche Akzeptanz des gebührenfinanzierten Rundfunks auch künftig aufrechterhalten werden.
Der Prozess der Kommerzialisierung allerdings wirkt hier als Entwicklungshemmnis. Wer in einer Welt, in der die Grenzen zwischen ökonomischen und inhaltlichen Aspekten, zwischen Werbung und Medium zunehmend verschwinden, die öffentliche Funktion nicht mehr eindeutig belegen kann, setzt seine Existenzberechtigung aufs Spiel.
Daher gilt es, der zunehmenden Tendenz zur Selbstkommerzialisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Einhalt zu gebieten. Nur so lässt sich seine Akzeptanz und Gebührenfinanzierung bei den Bürgerinnen und Bürgern langfristig sicherstellen und die zunehmende Konkurrenzsituation zu privaten Rundfunkanbietern aufheben.
Nur so kann in der nächsten Runde im Kommerzialisierungsprozess, wie sie die europäische Fernsehrichtlinie mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Werbung und der weitgehenden Freigabe von Produktplacement einleiten wird, etwas Substanzielles entgegengesetzt werden. Nur so wird schließlich dem Druck des Wettbewerbsrechts und der EU-Kommission langfristig zu widerstehen sein.
Ein Werbe- und Sponsoringverbot mit Ausnahme des Sports, dessen Rechteerwerb oft mit entsprechenden Werbe- und Sponsoringauflagen verbunden ist, wäre dazu ein erster wichtiger Schritt.
Entgegen anderslautender Behauptung sind Werbe- und Sponsoringfreiheit durchaus finanzierbar: entweder über das Einsparpotenzial und Umschichtungspotenzial in den bestehenden Haushalten der öffentlich-rechtlichen Anstalten oder aber über die Kompensation des Ausfalls von Gebühren bei Trägern der sozialen Leistungen. Wir plädieren für Letzteres. Ich hatte beim letzten Tagesordnungspunkt schon ausgeführt, dass es da zu erheblichen Mehreinnahmen kommt.
Ein nächster Schritt bestände in einer klaren Trennung zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Bereichen. Dies könnte in einem Zweisäulenmodell à la BBC geschehen, die zwischen gebührenfinanzierten und kommerziellen Tätigkeiten strikt unterscheidet, oder durch eine generelle Auflösung von Beteiligungen an kommerziellen Unternehmen sowie des Gebotes, Auslagerungen von Produktionen zu unterbinden. Die Frage der Konditionen für outgesourcte Sendungen könnte auf diese Weise ebenso wie die Problematik der Moderatorenproduktion, bei der die Moderatoren hohe Gagen und Gehälter zugleich mit Gewinnen aus ihren Unternehmenstätigkeiten beziehen, gelöst werden.
Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Stärkung des Kreativpotenzials der Sendeanstalten. Ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem, in dem Kreative mehr und die Verwaltung weniger zu sagen hat, würde das Programmangebot auch für jüngere Generationen wieder attraktiver machen. Um sie zurückzugewinnen, bedarf es entgegen den Behauptungen der Programmverantwortlichen nicht eines Werbeumfelds. Entwicklungsoffenheit und Dekommerzialisierung bilden die grundlegenden Voraussetzungen für die Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Funktionsauftrags im Digitalzeitalter.
Geld ist nicht alles. Manches lässt sich auch durch strukturelle Veränderungen erreichen.
Danke schön.
Ralf Michalowsky, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE im Landtag von NRW, zur geplanten Diätenerhöhung der Abgeordneten. DIE LINKE fordert, die Erhöhung der Diäten auszusetzen - das Gehalt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch anzuheben. Millionen Menschen hätten für eine klammheimlich Diätenerhöhung kein Verständnis.
Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren!
Mir ist klar, dass viele von Ihnen es lieber sehen würden, wenn ich hier nicht stehen würde; doch ich kann Ihnen das nicht ersparen.
Frau Altenkamp, Sie sprachen davon, dass wir mit diesem Antrag unsere eigene Klientel bedienen würden. Ich muss Sie enttäuschen: Der größte Teil der Klientel, die wir damit ansprechen, gehört zu Ihrem Wählerlager. Ansonsten hätten wir bei der letzten Wahl ungefähr 30 % der Stimmen der prekären Bevölkerung bekommen.
Wenn Sie Klaus Ernst ansprechen, kann ich Ihnen nur sagen: Die Abzocker sitzen nicht im Deutschen Bundestag, sie sitzen zum Teil hier.
(Zuruf von der CDU: Frechheit! - Rainer Schmeltzer [SPD]: Ganz vorsichtig! - Weitere erregte Zurufe)
Auf den schwarzen Block komme ich gleich. Ich will erst einmal auf Frau Altenkamp antworten.
Ich glaube, dass 50 % der hier Anwesenden ein höheres Bruttoeinkommen haben als Klaus Ernst, weil Sie neben den 10.000 €, die es hier gibt, ihre Kommunalmandate haben, Fraktionsvorsitzende sind und zum größten Teil noch ihre alten Berufe ausüben. Das ist Abzocke.
(Widerspruch von den GRÜNEN)
Ich weiß wirklich nicht, wie man neben dieser Tätigkeit hier noch einen Beruf ausführen kann. So viel dazu.
(Zuruf: Das ist eine Unterstellung! - Zurufe)
Wenn der schwarze Block da drüben meckert, muss ich Ihnen sagen: Sie haben in den letzten Jahren eine Schneise der Verwüstung in das Beziehungsgeflecht des Bürgers zum Parlament geschlagen.
(Widerspruch von der CDU und von Rainer Schmeltzer [SPD] - Unruhe)
Das Wort „Verwüstung“ lassen Sie sich mal auf der Zunge zergehen. Ich will nicht mit Herrn Leisler Kiep, mit seinem Unterschriftenautomaten anfangen. Aber Sie haben einen Abgeordneten in Ihren Reihen, der als Rechtsanwalt über Jahre hinweg den doppelten Krankenversicherungszuschuss kassiert hat. Sie hatten eine Präsidentin, die für anderthalb Stunden Tätigkeit mehr bekommen hat, als ein großer Teil der Bevölkerung im Jahr erhält.
(Manfred Palmen [CDU]: Das ist etwas anderes! Kommen Sie mal zum Thema! - Fortgesetzt Unruhe)
Lassen Sie mich zu meiner Rede kommen.
Ich weiß, dass Sie in der letzten Wahlperiode eine Regelung beschlossen haben, die es zulässt, dass dieser Tagesordnungspunkt ohne Aussprache und ohne Abstimmung sozusagen durchläuft. Doch da draußen sitzen Millionen Menschen, die überhaupt kein Verständnis dafür haben werden, wenn die Abgeordneten dieses Landtags klammheimlich eine Diätenerhöhung genehmigen.
(Rainer Schmeltzer [SPD]: Klammheimlich? - Christian Möbius [CDU]: Das ist Transparenz pur! - Weitere Zurufe)
Klammheimlich deshalb, weil Sie nicht darüber reden und darüber abstimmen wollten.
Auch wenn wir am 13. Juli dem Berechnungsverfahren zugestimmt haben, gefällt es meiner Fraktion überhaupt nicht, dass daraus jetzt zwangsläufig eine Erhöhung resultieren soll.
(Christian Möbius [CDU]: Aber einstecken tut ihr es gerne!)
Dort draußen gibt es Millionen von Menschen, die von den Parteien halblinks bis rechts an den Rand des Existenzminimums getrieben wurden, Familien, die Monat für Monat jeden Euro zweimal umdrehen müssen, Menschen, die immer neuen Repressionen ausgesetzt werden, die sich die Politiker der Agenda-Parteien, die vor mir sitzen, einfallen lassen.
(Zuruf von der CDU: Es kann nicht jeder Porsche fahren!)
Zum Thema „Porsche“ kann ich Ihnen etwas sagen. Gehen Sie mal durch die Landtagstiefgarage: 80 % der Autos haben einen höheren Wert als das Auto von Klaus Ernst.
(Lachen von der CDU - Zurufe von den GRÜNEN - Rainer Schmeltzer [SPD]: Wissen Sie eigentlich, wie lächerlich Sie sich machen? - Weitere lebhafte Zurufe)
Wir sind der Auffassung, dass es diesem Parlament gut zu Gesicht stehen würde, wenn es so lange Nullrunden beschließt, wie die prekäre Lebenssituation eines Großteils der Bevölkerung anhält.
(Beifall von der LINKEN)
Vizepräsidentin Gunhild Böth: Herr Michalowsky, gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Markert?
Ralf Michalowsky (LINKE): Ja.
Hans Christian Markert (GRÜNE): Lieber Kollege Michalowsky, ich wollte mich eigentlich bei diesem Punkt nicht zu Wort melden, möchte Sie aber doch etwas fragen. Sie sprachen unter anderem Leute an, die zum Beispiel noch Kommunalmandate haben. Ist Ihnen bekannt, dass viele von denen ihre Aufwandsentschädigungen für das Kommunalmandat spenden? Und ist Ihnen bekannt, dass es auch Abgeordnete gibt - ich beziehe mich ausdrücklich ein -, die zum Beispiel Fahrzeuge fahren, die schon zehneinhalb Jahre alt sind und möglicherweise nicht dem Wert eines Porsche entsprechen? Ist Ihnen bekannt, dass es gut ist, in solchen Debatten sachlich vorzugehen?
(Rainer Schmeltzer [SPD]: Das scheint ihm nicht bekannt zu sein!)
Ralf Michalowsky (LINKE): Ich würde gerne sachlich bleiben, aber bei diesen Zwischenrufen verbietet sich das geradezu.
(Rainer Schmeltzer [SPD]: Die haben Sie doch provoziert!)
Sie werden in der Presse sicher nachgelesen haben, dass das Auto von Herrn Ernst 16 Jahre als ist. Ich habe nicht davon gesprochen, dass alle hier neue Autos fahren. Ich habe davon gesprochen, dass 80 % der Autos in der Tiefgarage einen höheren Wert haben als das Auto von Klaus Ernst.
(Zurufe)
Über die Spendenpraxis einzelner Parteimitglieder bin ich nicht informiert, aber ich kenne einzelne Beispiele, die ich nennen könnte, die dem widersprechen, was Sie gerade gesagt haben.
(Widerspruch von Christian Möbius [CDU] - Weitere Zurufe)
Den Text unseres Antrags haben Sie alle vor sich. Für den Fall, dass Sie unseren Antrag ablehnen und es doch zu einer Erhöhung kommt, kündigen wir hiermit an, dass alle Mitglieder unserer Fraktion den zu erwartenden höheren Betrag für die Dauer der Wahlperiode einem sozialen Zweck zukommen lassen werden.
(Beifall von der LINKEN - Fortgesetzt Zurufe)
Vielen Dank
Ralf Michalowsky, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE im Landtag von Nordrhein-Westfalen, am 15. September 2010 zu den Ereignissen bei der Loveparade 2010 in Duisburg. Er äußerte unter anderem, dass Untersuchungsziele, die dazu dienen einzelne beteiligte Gruppen rein zu waschen, jetzt und für die Zukunft nicht weiter helfen.
Es gilt das gesprochene Wort
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,
ich freue mich über Vielfalt der Themen, die wir in diesen drei Tagen beraten. Auf diesen Tagesordnungspunkt hätten wir aber sicher alle gern verzichtet.
Als ich am 9. Mai in den Landtag gewählt wurde, hatte ich hohe Erwartungen an dieses Parlament.
Doch diese z.T. würdelose Diskussion hat mich eines Besseren belehrt. Wir reden hier über 21 Tote, 500 Verletzte und viele Angehörige!
Das Unglück von Duisburg ist aber nun mal geschehen und weil es eine, dem Leid der Opfer und den Angehörigen, sowie der ganzen Region über Duisburg hinausgehende Bedeutung hat, sind wir verpflichtet, an der Aufklärung mitzuwirken.
Schon Stunden nach den ersten Meldungen über das Ausmaß der Katastrophe war für einige Printmedien und insbesondere für diverse schräge Internetmedien klar, wer die Schuldigen sind. Die Angeklagten wechselten in den folgenden Wochen aber bei jeder neuen Information.
Auch hier Anwesende sind daran beteiligt gewesen. Ich habe die Pressekonferenz des Innenministers wenige Tage nach dem Unglück besucht und mit einem recht mulmigen Gefühl verlassen. Der Innenminister äußerte drei Tage nach der Katastrophe, dass die Polizei keinerlei Schuld habe. Eine Erkenntnis, die heute, viele Wochen später niemand mehr so äußern würde.
Ich will hier niemanden anklagen, schon allein deshalb nicht, weil ich sowenig wie alle die hier sitzen genau weiß, welche Ursachen der Grund für das Unglück waren.
Und das ist genau der Punkt.
Untersuchungsziele, die dazu dienen einzelne beteiligte Gruppen rein zu waschen, helfen jetzt und für die Zukunft nicht weiter. Ziel muss eine ergebnisoffene Untersuchung sein.
Wenn nicht zweifelsfrei geklärt wird, wie es zur Katastrophe kam, werden potentielle Veranstalter künftiger Großveranstaltungen das Risiko scheuen.
Diese unerträgliche politische Tragödie auf dem Rücken der Opfer muss sofort beendet werden.
Setzen Sie sich mit uns für eine schnelle Entschädigung der Opfer ein und beweisen Sie den Verletzten und Angehörigen der Toten, dass Sie den Betroffenen in dieser schweren Zeit ernsthaft zur Seite stehen.
Die ist ja bekanntlich ein Parlament der Einladungen.
Wir laden Sie ein, unserem Antrag zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusse zu unterstützen.
Vielen Dank