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Kinderreiche sind in Not

WASG fordert Armutsbericht für Gladbeck

Die Sprecher des WASG-Stadtverbandes Gladbeck, Martina Pestke und Rüdiger Jurkosek, fordern einen Armuts- und Reichtumsbericht speziell für Gladbeck und planen für den 15. November ein Gladbecker Bürgerforum zu dem Themenkomplex, denn spätestens nach Gründung der "Gladbecker Tafel" kann man auch hier die Augen nicht mehr verschließen.

“Immer mehr Menschen in Gladbeck verarmen und werden dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Besonders betroffen sind davon u. a. Alleinerziehende, Kinder, alte Menschen, Wohnungslose und Behinderte. Ein jährlicher Armutsbericht für Gladbeck würde das Ausmaß der Entwicklung sichtbar machen,'' so Martina Pestke. „Wir brauchen mehr Informationen über die Lebenslagen armer Menschen, damit wir gezielte Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen von Arbeitslosigkeit und konkrete Hilfen für Familien durchführen können, Kinder und Jugendliche die in Armut aufwachsen haben keine Chance Teil unserer Gesellschaft zu werden, da entstehen gewaltige Probleme für die Zukunft", unterstreicht Rüdiger Jurkosek die Forderung. „Oft genug stünden besonders Kinderreiche oder Alleinerziehende vor dem Problem z.B. die Kosten für eine Klassenfahrt aufbringen zu können, gerade für solche Fälle benötigen wir einen Armuts- und Reichtumsbericht auf lokaler Ebene,'' betonen die WASG-Sprecher.

Arme werden ärmer – Reiche werden reicher. Das ist das Ergebnis verfehlter Sozialpolitik.

Schwarz auf weiß im Armutsbericht der Bundesregierung: In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander!  

Seit 1998 hat sich der Anteil derjenigen, die mit einem Einkommen unterhalb der von der EU definierten Armutsgrenze ihr Dasein fristen, von 12,1 auf jetzt 13,5 Prozent erhöht. Armut herrscht in 13,9 Prozent aller Familien in Deutschland.

Völlig anders das Bild beim Besitzanteil der Reichsten am gesamten privaten Nettovermögen von 5 Billionen Euro. Zehn Prozent der Haushalte horten davon 47 Prozent – zwei Prozent mehr als noch 1998!

Kaum am Wohlstandskuchen partizipieren hingegen die unteren 50 Prozent der Haushalte. Ihnen bleiben nur vier Prozent des Gesamtvermögens. Seit 1999 hat sich der Anteil der überschuldeten Haushalte von 2,77 Millionen auf 3,13 Millionen erhöht – dank Hartz IV wird diese Zahl weiter steigen.

Die weitaus größte Gruppe die auf Sozialhilfe angewiesen sind, mit 1,1 Millionen  die Kinder. Nach Unicef Angabe sind es sogar 1,5 Millionen unter 18 Jahren die in Armut leben. Der Sozialwissenschaftler Christoph Butterwege hat sogar 2,8 Millionen arme Minderjährige errechnet. Tendenz steigend! Bis 2006, prognostiziert Butterwege, dürften es 3,3 Millionen sein.  Das wirkt sich auch auf die Bildungschancen aus. Fast dreimal so hoch sind die Chancen eines Kindes aus einem wohlhabenden Elternhaus gegenüber einem Facharbeiterkind eine Gymnasialempfehlung zu bekommen. Die Chance zu studieren ist für Kinder reicher Eltern gar 7,4 mal größer.

Die WASG wird zu diesem Themenkomplex am 15. November um 19.30 Uhr ein erstes Gladbecker Bürgerforum durchführen. Auf der Tagesordnung stehen Mindestlohn und 1-Euro-Jobs, Frauenarmut in Gladbeck und die Gladbecker Tafel.

 

Arm gleich doof?

Stellungnahme der Stadt Gladbeck zu unserer Forderung nach einem Armuts- und Reichtumsbericht

Wenn man die Stellungnahme der Stadtverwaltung zur unserer Forderung nach einem Armutsbericht liest, hat man den Eindruck, dass diese zynische Stellungnahme von einem Vermögenden geschrieben wurde, der um seine Pfründe kämpft. Das ist ein erschütterndes Beispiel für den Klassenkampf von oben, der sich derzeit gegen die Ärmsten in unserer Gesellschaft richtet.

Der Schreiber gibt in seiner hundsmiserablen Analyse ein arrogantes, neoliberales Weltbild zum Besten, vor dem einem grausen kann.

  • "Materielle Armut geht sehr häufig einher mit Bildungsarmut bei den Eltern", heißt es.
    Ist man dann sofort ungebildet, wenn man als älterer Arbeitnehmer seinen Job verliert?
  • Arme und somit ungebildete Eltern seien "nicht in der Lage, sich wirtschaftlich zu verhalten, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder angemessen zu befriedigen...".
    Ja wie denn auch, mit Arbeitslosengeld II?
  • "Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Art der politischen Diskussion (um den Armutsbericht d.V.) viele materiell Arme dazu verleitet, sich wieder bzw. weiterhin als gesellschaftliche Opfer zu begreifen. Schuldzuweisungen an die Mehrheitsgesellschaft und das Verharren im Opferstatus führen nicht zu Problemlösungen ..."
    Jetzt ist es raus: wir, die Mitglieder der "Mehrheitsgesellschaft" wollen unsere Ruhe haben und nicht zum Teilen aufgefordert werden.

An dieser Stelle muß einmal gesagt werden, dass es sich hier nicht um Satire oder einen Fake handelt, sondern um einen aktuellen tatsächlichen Vorgang, der am Donnerstag den 8.12., ab 9 Uhr im Rathaus Gladbeck verhandelt wird.

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Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses vom 08.12.2005

Anregung gem. § 24 GO NW hier: Antrag der Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Stadtverband Gladbeck- - Armutsbericht für Gladbeck -

Unseren Antrag gibt es hier zum Download

Die Verwaltungsvorlage gibt es hier zum Download

Der Text der Verwaltungsvorlage

1. Anregung gem. § 24 GO NW

Mit Schreiben vom 25.10.2005 stellt die Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Stadtverband Gladbeck -, vertreten durch Herrn Rüdiger Jurkosek, Marktstraße 23, 45964 Gladbeck, einen Antrag gem. § 24 GO NW mit folgendem Inhalt:
„Die Verwaltung hat mindestens alle 3 Jahre einen Sozialbericht vorzulegen. Der Sozialbericht soll Armuts- und Reichtumsentwicklungen und deren Auswirkungen auf die Lebenslagen der Gladbecker Bevölkerung darstellen, Ursachen analysieren, Rechenschaft über die Sozialpolitik der Stadt geben und Wege zum Ausgleich sozialer Benachteiligung vorschlagen. Der erste Bericht dieser Art soll noch vor den Sommerferien 2006 vorliegen.“

Als Begründung zur Erarbeitung eines Armutsberichtes für Gladbeck wird angeführt, dass nur die genaue Kenntnis und Analyse der Einkommensstrukturen die Grundlage für Wege zum Ausgleich sozialer Benachteiligung sein kann.

2. Stellungnahme der Verwaltung

Die Sozialgesetzgebung des Bundes und der Länder definiert materielle Armut und stellt über unterschiedliche Transferleistungen den notwendigen Lebensunterhalt sicher. Kommunalpolitisch bestehen hier allenfalls marginale Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten. Ebenso ist die Finanzierung schulischer Bildung im Großen und Ganzen Aufgabe des Landes; der Kommune kommt im Wesentlichen die Aufgabe zu, angemessene Sachmittel, Immobilien etc. zur Verfügung zu stellen.

Die Vermeidung sozialer Benachteiligung von Kindern und Familien, insbesondere die Verbesserung von Chancengleichheit bei der Bildung ist jedoch eindeutig auch ein kommunales Handlungsfeld. Hier wurden und werden vor allem auch über den Ausbau und die Sicherstellung frühkindlicher Bildung in Tageseinrichtungen sowie den Ausbau offener Ganztagsschulen und aktuell im Rahmen des Bündnisses für Familie - Erziehung, Bildung, Zukunft - sehr gute Rahmenbedingungen für mehr Chancengleichheit geschaffen. Hierzu gibt es – bekanntermaßen – umfängliche Aktivitäten der Stadt Gladbeck.

Materielle Armut geht sehr häufig einher mit Bildungsarmut bei den Eltern; sie sind nicht in der Lage, sich wirtschaftlich zu verhalten, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder angemessen zu befriedigen und eine gelingende Kindheit und ein Leben im Wohlergehen zu gestalten. Sie sind selbst nicht fähig, eigenverantwortlich zu handeln und ihre Kinder zu Eigenverantwortung zu erziehen. Dies ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung, um sich erfolgreich in unsere Gesellschaft integrieren zu können.

Insgesamt kann es daher nur darum gehen, mehr in eine gute Infrastruktur für Kinder und Familien zu investieren und durch Elternbildung Voraussetzungen für mehr Chancengleichheit zu schaffen.

Die aktuellen Problemlagen von Kindern und Familien sind grundsätzlich bekannt, ein isolierter Bericht über Armut und/oder Reichtum kann daher für Gladbeck kaum neue Erkenntnisse und Handlungsnotwendigkeiten aufzeigen. Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Art der politischen Diskussion viele materiell Arme dazu verleitet, sich wieder bzw. weiterhin als gesellschaftliche Opfer zu begreifen. Schuldzuweisungen an die Mehrheitsgesellschaft und das Verharren im Opferstatus führen nicht zu Problemlösungen, sondern die Annahme von Hilfe zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung und die Wahrnehmung der elterlichen Erziehungsverantwortung, auch unter Inanspruchnahme der vorhandenen bzw. noch geplanten vielfältigen Unterstützungsformen und -systeme.

Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen unbeobachtet und unanalysiert bleiben bzw. notwendige familien-, jugend- und sozialpolitische Konsequenzen nicht angeregt oder gezogen werden sollen. Dies geschieht im Rahmen der kommunalen Managements für Familien durch systematische umfassende Ressourcen und ergebnisorientierte Planung auf der Grundlage eines integrierten Familienberichtes, welcher periodisch fortgeschrieben wird. Dieser soll im kommenden Jahr erarbeitet und Anfang 2007 vorgelegt werden.

ver.di: "Zynische Verwaltungsvorlage"

Verwaltung putzt Arme runter

Als „zynische Meisterleistung, die eines Harald Schmidt würdig wäre“, kritisiert ver.di-Bezirkgeschäftsführerin Barbara Oehmichen eine Stellungnahme der Gladbecker Verwaltung. In der Vorlage für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 8. Dezember geht es um einen Antrag der WASG. Diese fordert, dass die Verwaltung mindestens alle drei Jahre einem Sozialbericht vorlegt. Darin soll die „Armuts- und Reichtumsentwicklung und deren Auwirkungen auf die Lebenslagen der Gladbecker Bevölkerung“ dargestellt werden.

In der Verwaltungsvorlage heißt es dazu unter anderem: „Materielle Armut geht sehr häufig einher mit Bildungsarmut bei den Eltern; sie sind nicht in der Lage, sich wirtschaftlich zu verhalten, die Grundbedürfnisse ihrer Kinder angemessen zu befriedigen (...).
Oehmichen weist auf die zahlreichen Hartz-IV-Empfänger hin. Zu ihnen gehörten auch viele ver.di-Mitglieder, die nach einem langen Berufsleben „auf das Abstellgleis geschoben werden“. Schon nach kurzer Zeit stürzten diese in die ALG-II-Armut.
„Wer mit relativ gesicherter Existenz anderen vorwirft, sie könnten mit dem Hartz-IV-Hungereinkommen nicht wirtschaften, kann nur als Zyniker bezeichnet werden“, betont die ver.di-Geschäftsführerin.
Sie sieht die Verwaltungsvorlage „vom neoliberalen Geist durchweht“. Dies bewiesen Sätze wie: „Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Art der politischen Diskussion viele materiell Arme dazu verleitet, sich wieder bzw. weiterhin als gesellschaftliches Opfer zu begreifen“.
„Der Sozialstaat, mit seinen verpflichtenden Solidaritätsgeboten für die sozial Schwächeren, ist in dieser Verwaltungsstellungnahme offensichtlich bereits ad acta gelegt“, kritisiert Oehmichen.


Herausgeber:
V.i.S.d.P.: Barbara Oehmichen
ver.di-Bezirk Emscher-Lippe Süd
Kurt-Schumacher-Str. 100
45881 Gelsenkirchen
Tel.: 0209/940 940
Fax: 0209/940 94 39
e-mail:bz.els@verdi.de
Redaktionelle Betreuung: Werner Schlegel

 

Pressemitteilung der Linkspartei im Kreis RE dazu

"Nicht Stammtischurteile pflegen, sondern Armut bekämpfen!"

Die Linke.PDS
c/o Gudrun Erfurt,
Abgeordnete des Kreistages Recklinghausen,
Sprecherin der Linkspartei.PDS

Elisabethstr. 11
45968 Gladbeck
Tel.: 63124
E-Mail: erfurtnagel@aol.com


Presseerklärung vom 05.12.05

Sehr geehrte Damen und Herren,

mir liegt die Stellungnahme der Verwaltung der Stadt Gladbeck zum Antrag der WASG, einen Sozialbericht der Stadt Gladbeck zu erarbeiten vor.
Nach dem Lesen, kann ich nicht anders als feststellen, wer so denkt, will nicht Armut und Armutsursachen bekämpfen, sondern Stammtischvorurteile pflegen. Er hat den Sozialstaat schon beerdigt.

Ich finde es unverantwortlich, den Ärmsten zu sagen, dass sie an ihrer Misere selbst schuld sind. Und das in Anbetracht der nachfolgenden Erklärung, dass die Problemlage den Verantwortlichen grundsätzlich bekannt sei.
Dass etwas grundsätzlich bekannt ist, genügt leider nicht, um anstehende Probleme kompetent lösen zu können. Es muß genau bekannt sein, in den Einzelheiten und mit den speziell für Gladbeck zutreffenden Fakten um schlußfolgern zu können, ob und was zu tun ist.
Sonst wäre ja der Armutsbericht der weiland rot-grünen Bundesregierung ausreichend.

Und wenn verweigert wird, was die WASG fordert: eine genaue Analyse der Situation in Gladbeck, auf deren Grundlage dann alle gesellschaftlichen Kräfte handeln können, dann muß man/frau am guten Willen der Stadtregierung zweifeln.

Ich empfehle den Verantwortlichen und allen Interessierten einen Blick in den Armutsbericht der Stadt Köln unter
http://www.stadt-koeln.de/bol/soziales/artikel/08094/index.html.

Mit freundlichen Grüssen
Gudrun Erfurt

Roland pur?

Leserbrief von Hans Karwig | IGBCE und SPD

Hans Karwig, Hügelstr. 6, 45966 Gladbeck, Tel. und FAX 30515
Gladbeck, den 7.12.05

Leserbrief

Betreff: WASG-Bürgerantrag „Armutsbericht für Gladbeck“

Roland pur?
Meines Wissens sieht der Chef der Stadtverwaltung zumindest die Vorlagen für den Rat und den Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Gladbeck, bevor sie das Rathaus verlassen. Auf der Vorlage steht Herr Roland auch als Berichterstatter.
Dass dieses erschreckende – oder soll ich sagen entlarvende – Papier veröffentlicht wurde, zeigt eine neue Dimension im Umgang mit einem Teil der Bürger. Zugegeben, es handelt sich nicht um die „Mehrheitsgesellschaft“ (wie es in dem Papier heißt), die hier runter gemacht wird.

Muss man eigentlich seine Vergangenheit an der Tür zum Bürgermeisterbüro ad acta legen? Wenn ich mich recht erinnere ist der Bürgermeister seit rund 35 Jahren Gewerkschaftsmitglied, war Personalratsvorsitzender und wurde mit Unterstützung der SPD Bürgermeister dieser Stadt.

Dass unser „Königspaar“ sich auf Schützenfesten genau so wohl fühlt, wie beim Benefiz-Konzert zu Gunsten der Gladbecker Tafel e.V. spricht für die Bandbreite der gesellschaftlichen Verankerung.

Wie aber passt das Engagement der "Königin", als stellvertretende Vorsitzende der Tafel, zu den Äußerungen der Verwaltung über diejenigen, denen Frau Roland doch helfen will?

Hans Karwig

IGBCE-Vorsitzender Rosenhügel
SPD-Mitglied

 

Leserbrief von Peter Strücker

"Sie singen das alte Versagungslied, das Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel"
(Heinrich Heine Deutschlandreise)

7.12.2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sie sicherlich wissen, hat die WASG Gladbeck die Verwaltung der Stadt aufgefordert, einen Armuts- und Reichtumsbericht zu erstellen. Das ist sicherlich auch für die Bürger nicht uninteressant zu wissen, da doch außer den entsprechenden Zahlen der Arbeitsagentur über die Lebensumstände der Bürger in unserer Stadt relativ wenig bekannt ist.

Wie sie auch wissen, hat die Verwaltung der Stadt für die demnächst stattfindende Haupt- Finanzausschußsitzung eine - gelinde gesagt- skandalöse Verwaltungsvorlage erstellt. In dieser Verwaltungsvorlage wird materielle Armut gleichgesetzt mit Dummheit und Ignoranz. Es wird sich darin in unerträglicher Art und Weise über die "Bildungsarmut" der Betroffenen ausgelassen, die dann auch dazu führe, daß die Kinder nicht entsprechend erzogen seien. Ich zitiere " Sie sind selbst nicht fähig eigenverantwortlich zu handeln und Ihre Kinder zu Eigenverantwortung zu erziehen". Diese Tiraden gipfeln in der Aussage, daß ein solcher Armutsbericht dazu führen könnte, daß diese Armen sich nun über Ihre Situation die falschen Gedanken machen könnten. Ich zitiere wiederum "..Es ist vielmehr zu befürchten, daß die Art der politischen Diskussion viele materiell Arme dazu verleitet, sich wieder bzw. weiterhin als gesellschaftliche Opfer zu begreifen." Stattdessen sollen sich Hartz 4 Opfer und andere Betroffene schön in ihr Schicksal fügen und auf die Almosen warten, die der Schreiber auch im weiteren zumindestens andeutungsweise ankündigt. "Sie singen das alte Versagungslied, das Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel" (Heinrich Heine Deutschlandreise)

Als Leser ihrer Zeitung habe ich bislang eine Reaktion von Ihrer Seite vermißt. Daher möchte ich sie auffordern, sich doch damit auseinanderzusetzen. Zumindestens ein Kommentar scheint mir doch angebracht angesichts dieser Verhöhnung von Menschen, die doch zu einem sehr großen Teil aufgrund staatlicher Gesetzesaktivitäten in die Armut getrieben worden sind und auch noch werden. Die Stadtverwaltung sollte ebenfalls aktiv werden. Eine disziplinarrechtliche Verfolgung dieses Vorgangs, sowohl bei dem Schreiber als auch bei dessen Vorgesetzten scheint mir doch dringend angeraten, besonders eingedenk der Tatsache, daß die städtische Verwaltung von unseren Steuergroschen lebt.


Mit der Bitte um Veröffentlichung verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Peter Strücker

 

Bürgermeister Ulrich Roland

Gladbeck, 11. Dezember 2005

Wortwahl nicht glücklich

Massive Kritik gab in den letzten Tagen an einer Vorlage der Stadtverwaltung, in der sie begründet, warum sie einen von der WASG geforderten Armutsbericht für Gladbeck für unnötig hält. "Materielle Armut geht sehr häufig einher mit Bildungsarmut bei den Eltern" stand da beispielsweise und: "Es ist zu befürchten, dass die Art der politischen Diskussion viele materiell Arme dazu verleitet, sich wieder bzw. weiterhin als gesellschaftliche Opfer zu begreifen."

"Diese Vorlage hätte eine Prise mehr Fingerspitzengefühl verdient", räumte Bürgermeister Ulrich Roland im Haupt- und Finanzausschuss ein. Gleichzeitig nahm er seine Mitarbeiter in Schutz: "Sprachregelungen verändern sich, und auch in der Fachliteratur geht man mittlerweile dazu über, von jedem eine gewisse Selbstverantwortung einzufordern."

WASG-Sprecher Rüdiger Jurkosek blieb der Aussprache über seinen Antrag fern, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, seine Sicht der Dinge darzustellen. Wohl in seinem Sinne beklagte DKP-Fraktionsvorsitzender Gerhard Dorka die "neoliberalen Tendenzen".

Quelle: Ruhr Nachrichten

Armut durch neoliberalen Zeitgeist?

WAZ Gladbeck 13.12.2005

Armut durch neoliberalen Zeitgeist?
Die Verwaltung solle mindestens alle drei Jahre einen Sozialbericht vorlegen, in dem die Entwicklung von Armut und Reichtum dargestellt wird. Außerdem seien "Wege zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen" vorzuschlagen.

Diese Bürgeranregung, die die "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" (WASG) eingereicht hatte, wurde einstimmig in der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zurückgewiesen. Die Verwaltung hält die Erstellung eines Armutsberichtes für nicht notwendig.

Weil Antragsteller Rüdiger Jurkosek nicht anwesend war, fand eine ausführliche Debatte nicht statt. Lediglich Bürgermeister Ulrich Roland nahm Stellung (siehe auch "Nachgefragt") und DKP-Fraktionsvorsitzender Gerhard Dorka hofft, dass "der neoliberale Zeitgeist nicht eine Kehrtwendung im Denken bei der Stadt" hervorgerufen hat.

Anhand von Statistiken zu den "stetig schrumpfenden Arbeitnehmereinkünften" sowie "steil angestiegenen Verbraucher-Insolvenzen" ergebe sich, dass "arme Bevökerungsteile besonders auf Chancengleichheit angewiesen sind." Die 2. Pisa-Studie belege, dass in keinem vergleichbaren Industriestaat der Welt der Schulerfolg so von Einkommen und Vorbildung der Eltern abhängig sei wie hier.

Nur eingeschränkte Möglichkeiten sieht hier die Verwaltung: Kommunalpolitisch handeln könne man nur "indem man angemessen Sachmittel zur Verfügung stellt" und die Chancengleichheit, beispielsweise durch Ausbau offener Ganztagsschulen, verbessert. "Materielle Armut geht sehr häufig mit Bildungsarmut bei den Eltern einher", sie seien oft nicht fähig, eigenverantwortlich zu handeln, befindet die Verwaltung.

Auch seien die aktuellen Problemlagen armer Familien bekannt, ein Armutsbericht bringe daher kaum neue Erkenntnisse. Man wolle daher lieber den "integrierten Familienbericht" fortschreiben. Man befürchtet, "dass ein isolierter Bericht über Armut und Reichtum neue Schuldzuweisungen hervorrufe".

13.12.2005   Von Detlev Kittler-Capredon

Salvatore Pantó aus Hamburg

Aus einer Mail an uns: 

Hallo,

ich lebe zwar weder in Gladbeck noch gehöre ich zu den Menschen, die von Armut unmittelbar betroffen sind.

Ich lebe bei Hamburg und interessiere mich sehr für die Arbeit der WASG. Ich bin über die verschiedenen Internet Auftritte auf Eure Seite gekommen und habe aufmerksam alles gelesen, was Euer Anliegen an die Verwaltung betrifft, einen Armuts- und Reichtumsbericht für Gladbeck vorzulegen.

Die Ablehnung an sich drückt leider das unerbittliche Bemühen der politischen Eliten aus, das Armutsproblem totzuschweigen. Armut ist für sie zwar eine gesellschaftliche Realität, aber nicht mehr eine, welche die Politik zu überwinden hätte, sondern eine soziale Konstante, die Gesellschaft reproduziert und Politik verwaltet. Ausserhalb des Verwaltungsaktes wird sie eben ignoriert, als ein Übel, für das nur die Betroffenen etwas können. Die Eliten, nicht nur die politischen, waschen ihre Hände in Unschuld.

Die Antwort der Verwaltung bemüht sich um eine theoretische Rechtfertigung und beruft sich auf \'Fachliteratur\', deren Jargon den Geist des Neoliberalismus erkennen läßt. Diese Ideologie beherrscht heutzutage hier in Deutschland die Öffentlichkeit in einer beklemmenden totalen Weise.

Der Zynismus, den wir in der Antwort ausmachen, ist nicht einmal bewußt und gehört zur Normalität des technokratischen Ausdrucks und Handelns wie die Entwürdigung des menschlichen Lebens. Und dieser Bürgermeister drückt in seiner lapidaren Stellungnahme nur aus, dass man in diesem Fall den Zynismus der Sprache hätte besser verpacken sollen. Und ich bin mir sicher, dass er ihn teilt.

Im Übrigen ein Bürgermeister, dessen zahlreiche Mitgliedschaften ahnen lassen, wem die Politik in Gladbeck verpflichtet ist.
http://www.gladbeck.de/Dokumente/GREMIEN_BM.pdf

So lange die Menschen nicht begreifen, dass Politik viel zu wichtig ist, um sie solchen Menschen zu überlassen, wird Politik eine fremde Macht bleiben, die gegen ihre Interessen gemacht wird.

Ich wünsche Euch, allen engagierten Menschen in Gladbeck, die Kraft und die Ausdauer, um gegen den Zynismus, die Arroganz und Ignoranz der Macht ankämpfen zu können.

Mit solidarischen Grüßen
Salvatore Pantó


Die Linke. Gladbeck - "MITTENDRIN"

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(Fußgängerzone neben Café Creme)

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