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Wie die Ölsardinen

Zu den Zuständen beim Transport der Gladbecker Schüler schrieb unser Parteimitglied Olaf Jung diesen Leserbrief.

Kinder leben gefährlich

Beim Schülertransport, der in Gladbeck von der Vestischen Straßenbahn GmbH durchgeführt wird, herrschen schon seit geraumer Zeit untragbare Zustände.
Die von den Subunternehmen eingesetzten Fahrzeuge sind überwiegend, von anderen Unternehmen, ausgemusterte Linienbusse. Man kann den Eindruck gewinnen, als ob der Schülertransport nach dem Motto „Schrott wird flott“ betrieben wird. Vor diesem Hintergrund ist eine Mängelrate von fast 20% der überprüften Busse nicht wirklich überraschend.
Mein eigener Sohn berichtete mir schon von einer Fahrt, bei der die vordere Tür nicht richtig geschlossen werden konnte. Das in einem Bus in dem die Schüler, wie die Ölsardinen, bis zur Windschutzscheibe dicht gedrängt standen. Viele Schüler können sich mit dem schweren Schultornister auf dem Rücken nicht einmal festhalten. Den Tornister abzunehmen ist in diesem Gedränge auch nicht möglich. Stürze sind daher fast an der Tagesordnung. Ich habe selbst so eine Fahrt mitgemacht um mich von diesen Zuständen, die den Sicherheitsbestimmungen für den privaten Kraftverkehr widersprechen, zu überzeugen.
Beruhigend ist hierbei nur die Tatsache das die Schüler nicht auch noch gestapelt werden. Wenn der Bus wirklich bis zur Tür voll ist fährt er einfach an der Haltestelle vorbei. Die Kinder können dann zusehen wie sie zur Schule kommen.
In anderen Staaten, die auch bei der PISA-Studie wesendlich besser als Deutschland abgeschnitten haben, hat jeder Schüler im Bus einen Sitzplatz. Dort sind Kinder noch etwas Wert. Hier mutet man Kindern Verhältnisse zu, die nicht einmal beim Tiertransport erlaubt sind. Die erste Schulstunde kann man dann vergessen, die benötigen die Schüler um diese Stresssituation zu verarbeiten.
Um Abhilfe zu schaffen müssen deutlich mehr Busse für den Schülertransport eingesetzt werden, aber bitte keine altersschwachen Oldtimer. Zudem könnte der Unterrichtsbeginn der einzelnen Schulen stärker gestaffelt werden, um zu verhindern, dass alle Schüler gleichzeitig unterwegs sind.
Nicht auszudenken was passieren könnte wenn so ein völlig überbesetzter Bus, wie heute in Coppenbrügge geschehen, verunglückt.
 
Olaf Jung

WAZ Gladbeck vom 16.02.2006

"Wie die Ölsardinen"

In den regulären Schulbussen sei zu wenig Platz für die Kinder, beklagt ein Vater in einem offenen Brief. Solche engen Situationen seien stressig und gefährlich. Der Betreiber: "Mehr Platz ist nicht finanzierbar."

Von Alexandra Trudslev
Olaf Jung, Vater eines Schülers, hat die Nase voll: "Beim Schülertransport, der in Gladbeck von der Vestischen Straßenbahnen GmbH durchgeführt wird, herrschen schon seit geraumer Zeit untragbare Zustände", schreibt er in einem Leser-Brief. Die Schüler seien gequetscht wie "Ölsardinen", die Fahrzeuge wirkten "ausgemustert" und manchmal seien die Busse so voll, dass die Kinder gar nicht mitfahren könnten. "Mein Sohn ist im letzten Halbjahr zwei Mal zu spät zur Schule gekommen, weil er gar nicht mehr in den Bus 'rein kam", berichtet der Vater auf WAZ-Nachfrage. Es handelt sich um die Linienbusse, die die Kinder mit einem normalen Schokoticket benutzen dürfen, um vom Oberhof zu den Schulen in der Innenstadt fahren.
Der beunruhigte Vater hat sogar eine Probefahrt mitgemacht und kommt zu dem Schluss: "Viele Schüler können sich mit dem schweren Schultornister gar nicht festhalten. Stürze sind daher fast an der Tagesordnung." Jung fordert:
Sitzplätze! Für alle! Es sei kein Wunder, dass die Schulbusse in der Verkehrsstatistik mit 20 Prozent als "Mängelbusse" auftauchten.

Diese schweren Vorwürfen nimmt Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen Straßenbahnen GmbH, mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Denn: Einige Argumente seien sachlich falsch: "Die Schulbusse, die in dieser Statistik auftauchen, sind freigestellte, nicht von der Vestischen GmbH betriebene, Schulbusse." Also Busse, die nicht mit einem Schokoticket benutzt werden können. "Unsere Busse entsprechen alle den gesetzlichen Qualitäts-Bestimmungen. Das wird regelmäßig kontrolliert." Ihm sei kein Fahrzeug bekannt, das in der letzten Zeit mit Mängeln entdeckt worden ist.
Zu der Sitzplatz-Debatte findet Konegen klare Worte: "Sitzplätze für alle sind einfach nicht finanzierbar. In Linienbussen sei es normal, dass man auch steht. Alles andere würde einen dreifachen Wageneinsatz erfordern. Wer solle das bezahlen? Jeder zusätzlicher Linienbus kostet auch die Kommune Geld, weil die Stadt die Tickets mitfinanziert.

Dennoch: Der offene Brief des Vaters lässt die Verantwortlichen nicht kalt. "Wir wissen, dass die Busse voll sind. Deshalb setzen wir morgens ja immer einen Extra-Bus ein." Und: Um die Vorwürfe genau nachzuvollziehen, überprüft jetzt die Verkehrsaufsicht die Situation am Oberhof. Generell gibt Konegen den Tipp: "Falls es dazu kommen sollte, dass Kinder nicht mitgenommen werden, dann sollten Eltern sich sofort bei der Vestischen melden."
Zu "mangelhaften" Schulbussen in Gladbeck sagt Bernhard auf der Springe (Polizeipräsidium Recklinghausen): "Wir hatten im Jahr 2005 genau 33 Beanstandungen im ganzen Kreis mit seinen elf Städten." Gladbeck sei da absolut nicht auffällig. "Sonst hätten wir sofort reagiert." Bei den Mängeln handelte es sich meistens nur "um kleine technische Defekte".

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Vestische Straßenbahnen GmbH

Ihre Kritik


Sehr geehrter Herr Jung,

die Gebietskörperschaften im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr haben sich angesichts ihrer angespannten Haushaltssituation das Ziel gesetzt, die durch den Nahverkehr jährlich anfallenden Belastungen bis zum Jahr 2010 abzubauen. Unter anderem sind die Einnahmen der Verkehrsunternehmen deutlich zu steigern und Kosten zu be-grenzen.

Wir sind bemüht, im Rahmen der wirtschaftlichen Zwänge einen attraktiven Öffentli-chen Personennahverkehr anzubieten. Trotzdem können wir es leider nicht immer ausschließen, dass insbesondere bei einem hohen Schüleraufkommen ein Bus ein-mal bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet sein kann. Unsere Verkehrsaufsicht prüft in regelmäßigen Abständen das Fahrgastaufkommen im Schülerverkehr. Ge-gebenenfalls setzen wir nach Auswertung der Überprüfung einen Einsatzwagen zur Unterstützung der betroffenen Linie oder einen größeren Bus ein. Hierbei ist es auch von Bedeutung, ob es sich um einen einmaligen Vorfall handelte (z.B. wenn mehre-re Schulklassen vorzeitig Schulschluss haben und uns dies nicht gemeldet wurde), oder ob sich zu Beginn eines neuen Schuljahres die Schülerfahrten geändert haben.

Wir haben gemeinsam mit den Schulen in Recklinghausen erstmals durch gestaffel-te Schulzeiten erreichen können, dass sich die Situation in den Bussen verbessern konnte, weil die Schüler sich nunmehr auf mehrere Busse verteilen. Zur Zeit sam-meln wir noch Erfahrung damit. Wir können Ihnen jedoch heute schon mitteilen, dass unsere bisherigen Beobachtungen positive Ergebnisse gezeigt haben.

Wir hoffen, dass wir zukünftig durch eine Staffelung der Schulzeiten mit weiteren Schulen die Situation auch in anderen Städten verbessern können.

Unsere Busse und die Fahrzeuge der in unserem Auftrage fahrenden Privatunter-nehmen werden in regelmäßigen Abständen nach den gesetzlichen Richtlinien ge-prüft und gewartet. Darüber hinaus wird jeder Bus nach Dienstende in der Nacht untersucht, festgestellte Mängel werden umgehend behoben. Trotzdem kann es zu Störungen auf der Strecke kommen. Handelt es sich hierbei um einen kleinen Man-gel, der auf die Sicherheit keine Auswirkungen hat, so kann der Bus zunächst wei-terfahren. In so einem Fall rückt dann unsere mobile Werkstatt aus und führt kleine-re Reparaturen durch. An die Verkehrsunternehmen, die in unserem Auftrage fah-ren, stellen wir die gleichen Anforderungen. Die Unternehmen müssen ihre Fahr-zeuge bei uns vorstellen und dürfen die Busse erst nach der Abnahme auf den Li-nien einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Vestische Straßenbahnen GmbH


i.A. Dreher-Nowicki i.A. Müller

Verkehrsdienst Recklinghausen

Rückmeldung nach Kontrollen

Sehr geehrter Herr Jung,

ich komme auf unsere seinerzeitige Rücksprache in obiger Angelegenheit zurück.
Durch den Zentralen Verkehrsdienst Recklinghausen sind in der Vergangenheit mehrfach die betreffenden Fahrzeuge der Linie 253 der Vestischen bzw. die Einsatzfahrzeuge der Fa. K...... überprüft worden.

Es wurde dabei keine Beanstandungen festgestellt. Ich halte dies für ein gutes Zeichen. Möglicherweise haben die Pressemeldung und auch die folgenden Kontrollen für Abhilfe gesorgt. Über die allgemeine Problematik bei Schulbussen haben wir uns ja seinerzeit ausführlich unterhalten. Hier ist sicher einiges zu verbessern.

Wir werden auch in Zukunft unangekündigt die obigen Fahrzeuge überwachen.
Für Hinweise und Informationen über Mängel und Fehlentwicklungen wäre ich durchaus dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Büchte, EPHK

Überfüllte Busse sind Alltag für Schüler

Schulbus als Sardinenbüchse auf Rädern

WP, 20.02.2008, Sabine Herzberg

Wie Ölsardinen müssen sich Schüler oft in den Bussen drängeln, stellte der ADAC Anfang der Woche fest. Um einen Eindruck von den Bedingungen zu gewinnen, ist die WP in Ennepetal im Schulbus mitgefahren.

Wie Ölsardinen müssen sich Schüler oft in den Bussen drängeln, stellte der ADAC Anfang der Woche fest. Um einen Eindruck von den Bedingungen zu gewinnen, ist die WP in Ennepetal im Schulbus mitgefahren. Es ist ein grauer, kalter Morgen. Irgendwo hinter den Wolken ist die Sonne gerade erst aufgegangen, und auf den Straßen sind nur wenige Fußgänger unterwegs. Nur gegenüber der Polizeistation auf der Stadtgrenze zwischen Ennepetal und Schwelm herrscht Betrieb. Hier warten auch an diesem Tag etwa 40 Schüler ungeduldig auf den Schulbus. 8.24 Uhr. Der mit „Dienstfahrt” betitelte Bus biegt um die Ecke. Als er sich langsam der Haltestelle nähert, wechselt die Anzeige - Nummer 573 ist der Schulbus, der die Schüler tagtäglich zum Ennepetaler Reichenbach-Gymnasium bringt. Noch ist er komplett leer. Doch während das Fahrzeug heranrollt, stürmen die Wartenden von der Haltestelle auf die Türen zu. Fast scheinen die Schüler „ihren” Bus mit den Händen stoppen zu wollen. Sie schieben und drängeln, lehnen sich gegen das Blech, schlagen mit den Händen gegen die Scheiben. Endlich hält der Fahrer an und öffnet die Türen. Sofort stürmen 80 Füße über die Schwelle, denn alle wissen: der Bibelspruch „Die Letzten werden die Ersten sein” gilt hier nicht. 8.25 Uhr: Abfahrt.

„Rückt doch mal durch, hinten ist alles frei. Was soll denn der Blödsinn?” Reguläre Sitzplätze gibt es nicht mehr. Auf einer Bank rücken die Sechstklässler Chris und Enrico näher zusammen. So ist auch für Samuel noch Platz. Weniger Glück hat da Sebastian, der erst in der Wuppermannstraße einsteigt. Zwar fährt der Bus dort nur zwei Minuten später vor, doch jeden Morgen ist es das Gleiche: Wer nicht schon an der Polizeistation in der ersten Reihe steht, darf sich auf einen Sitzplatz keine Hoffnungen machen. Und so stehen schon am vierten Haltepunkt mehr als 20 Schüler im Gang.

Da an jeder Haltestelle neue Fahrgäste zusteigen, bildet sich schnell ein Stau im vorderen Teil des Busses, und der Platz zum Stehen wird immer knapper. Nach etwa sieben Minuten Fahrt reicht es dem Fahrer dann zum ersten Mal. „Rückt doch mal durch, hinten ist alles frei. Was soll denn der Blödsinn?”, ruft er in den Bus und die Schüler rücken etwas auf. Wenige Minuten später wiederholt sich das Prozedere: Der Fahrer schimpft, die Passagiere rücken. Die Szene erinnert irgendwie an Käfighaltung. Nur dass es im Schulbus offenbar keine Mindestgrenzen gibt. Inzwischen kann man aus dem Inneren des Schulbusses nur noch an der Leuchtanzeige erkennen, wo sich der Bus befindet. Es ist warm und stickig geworden, die Scheiben sind bis zum letzten Fleckchen angelaufen.

Dementsprechend groß ist der Drang, nach draußen zu kommen, als der Schulbus kurz vor 8 Uhr am Gymnasium vorfährt. So schnell, wie die Schüler den Bus eingenommen hatten, haben sie ihn jetzt wieder verlassen und reihen sich in den Tross der anderen Ankömmlinge am Gymnasium ein. Sechs große Busse drehen noch eine Runde durch die Wendeschleife an der Schule und verlassen dann das Gelände - bis am Nachmittag wieder alle nach Hause müssen.

 


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