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Einschätzung der WASG

Stellungnahme der WASG-Gladbeck zur Diskussion um den Ausbau der B224/A52

In Kern zielen nachstehende Ausführungen darauf, die Heegevariante ernsthaft zu prüfen ohne diese Lösung (in Ermangelung von ganzheitlichen Umweltverträglichkeitsgutachten für Gladbeck etc.) abschließend zu fordern.

Ausgangslage

Der Verfahrensablauf und die öffentliche Informationslage lassen den Schluss zu, dass in dieser Angelegenheit mit falschen Karten gespielt wird. Das fängt mit verharmlosender Wortwahl an und geht bis zur Nennung von Teilfakten aus Gutachten, die angeblich zwar fertig, aber noch nicht geschrieben seien.

Landesminister Wittke hat den Begriff der 1A und 1B Lösungen in Umlauf gebracht, der unisono von Politik, Verwaltung und auch den Medien in der weiteren Diskussion verwendet wurde.

Wittke bezeichnet einen Tunnel (den es nicht geben wird) als 1A-Lösung und die Galerielösung als 1B. Dieser Ansatz ist schon falsch! Konstatiert man, dass an dieser Stelle heute niemals eine offene Autobahn und auch kein Tunnel genehmigungsfähig wären, dann wäre doch wohl logischerweise der völlige Verzicht auf die Autobahnstrecke die 1 A-Lösung.

Daraus abgeleitet ergäbe sich dann folgende Rangfolge:

1A = keine Autobahn
1B = Tunnellösung
1C = beidseitige Galerielösung
1D = einseitige Galerielösung (wie von Wittke jetzt vorgeschlagen)

Es ist mehr als zwei Jahre her, dass Straßen.NRW im Gladbecker Rathaus den katastrophalen Vorschlag einer Straßenführung mit nur einem zentralen Anschluss für den innerstädtischen Verkehr im Bereich der Steinstraße machte. Der jetzt vorliegende Entwurf hat zwar die damalige Vernachlässigung der Anschlüsse gelöst, doch damit weitere Lärmemissionspunkte (z.B. Auffahrtschleife gegenüber dem Freibad) geschaffen.

Wenn der vorgestellte Plan das Ergebnis zweijähriger Arbeit in der Behörde ist, dann ist das entweder peinlich, oder man glaubte selbst nicht an die Umsetzung in dieser Form und hat auf Detailplanungen (die eh nicht realisiert werden) vernünftigerweise verzichtet.

Die Zerstückelung der Ausbauplanung in einen Teilbereich von Erlenstraße bis kurz vor der Autobahn und ab Autobahn (incl. Kreuz) bis zur A42 (Emscherschnellweg), ist ein weiterer Punkt, der unseren Protest auslöst. Gladbeck zu verweigern, über das Autobahnkreuz, das vollständig auf unserem Stadtgebiet liegt, und über den fehlenden Anschluss des Gewerbeparks Brauck zu diskutieren, zeigt, dass wir „von oben“ nicht erst genommen werden.

Die Diskussion über den Ausbau von Stadtgrenze zu Stadtgrenze muss ganzheitlich geführt werden! Das Für und Wieder aller Ausbauvarianten muss alle auftretenden Be- und Entlastungen des gesamten Stadtgebietes berücksichtigen. Konkret heißt das: Entlastungen in einem Bereich müssen als kompensatorischer Effekt in die Bewertungen anderer Lösungen einfließen.

Analyse der Details

Der von Herrn Wittke und Straßen.NRW favorisierte Plan ist für Gladbeck nicht akzeptabel.

Die Autobahn soll zwischen Graben- und Goethestraße in Troglage und darüber hinaus bis zur Phönixstraße als halber Trog (2 – 3 Meter unter dem heutigen Niveau) ausgebaut werden. Darüber soll eine neue innerstädtische Hauptstraße als Galerie (auf Stelzen gestellt) entstehen.

Der Lärmschutz orientiert sich an den Grenzwerten der 16. BimschV. Diese sieht für Gewerbegebiete tagsüber 69 dB(A) und nachts 59 dB(A), für Kern-, Dorf-, Mischgebiete tagsüber 64 dB(A) und nachts 54 dB(A) vor. In reinen- und allgemeinen Wohngebiete sind tagsüber 59 dB(A) und nachts 49 dB(A) erlaubt. Frau Sauerwein-Brasieke, von Straßen.NRW, wies in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am 17.08.2006 im Innovationszentrum Wiesenbusch darauf hin, dass die bestehende Trasse der B224 nur Gewerbe- und Mischgebiete tangiere.

Der Lärmschutz der neuen Autobahn wird sich also an den höheren Grenzwerten orientieren. Der Lärm der auf den innerörtlichen Straßen in diesem Bereich erzeugt wird bleibt unberücksichtigt. Durch die Galeriebauweise ist zu erwarten, dass der Lärm der Autobahn unter der Ortsfahrbahn gebündelt und durch den offenen Schlitz weit in das Stadtgebiet hineingestrahlt wird.

Im heutigen Ausbauzustand der Bundesstrasse bewegen sich die Fahrzeuge zur Hauptverkehrszeit nur sehr langsam. Der Lärm wird nur durch die Motoren erzeugt. Wenn der Verkehr in den Abendstunden wieder fließt nimmt der Lärm zu und wird hauptsächlich durch Reifen- und Windgeräusche bestimmt. Nach dem Ausbau der Autobahn soll der Verkehr noch stark zunehmen und dabei zu jeder Tages- und Nachtzeit fließen. Lärm, Staub und Abgase werden zunehmen. Es ist völlig unverständlich wie die jetzige Lebensqualität für die Gladbecker Bürger erhalten werden soll. Von einer Verbesserung spricht man selbst bei Straßen.NRW nicht mehr.

Bei der Erstellung des Umweltgutachtens ist die „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Bewertung und die Bekämpfung von Umgebungslärm“, die noch nicht in nationales Recht umgesetzt wurde, nicht berücksichtigt worden. Diese Richtlinie zielt darauf ab, die Lärmbelastungen in den Städten wirksamer zu erfassen und zu bewerten als bisher. Sie soll „schädliche Wirkungen und Belästigungen durch Umgebungslärm verhindern, mindern oder ihnen vorbeugen.

Umgebungslärm ist der Lärm, dem Menschen insbesondere in bebauten Gebieten ausgesetzt sind, aber auch in öffentlichen Parks oder anderen ruhigen Bereichen von Ballungsräumen. Bei Berücksichtigung dieser EU-Richtlinie wäre auch das Naherholungsgebiet Wittringen ein schützenswertes Gut.

Der geplante Ausbau mit dem doppelstöckigen Autobahnkreuz wäre bei der Vorbelastung durch die A2, die angrenzende Industrie und die Eisenbahnlinie möglicherweise gar nicht zu realisieren. Auch die Situation im Stadtteil Butendorf, der dann an drei Seiten von Autobahnen umgeben wäre, müsste man dann anders bewerten. Die Beibehaltung der jetzigen Trassenführung für die A52 erscheint mit der kommenden Gesetzeslage nur schwer möglich. Vor diesem Hintergrund ist der Druck, der zunehmend auf die Stadt ausgeübt wird, verständlich. Im Ministerium möchte man schnell Planungssicherheit haben, denn einen Rechtsanspruch auf Lärmsanierung sieht auch die kommende Gesetzgebung nicht vor.

Die WASG-Gladbeck fordert deshalb, die Trassenführung über die Heege ernsthaft zu prüfen. Die ökologische Bedeutung der Heege sollte nicht überschätzt werden. Es handelt sich um eine stark landwirtschaftlich genutzte Fläche mit nur geringem Strauch und Baumbestand. Das Fledermausjagdrevier, an der Halde an der Steinstraße verdient auch Aufmerksamkeit! Bei Führung der Trasse (durch die Heege) in Troglage und Nutzung des Aushubs zur Erstellung von bepflanzbaren Schutzwällen, wären die Auswirkungen auf das Landschaftsbild akzeptabel. Die Autobahn könnte, wie die A31, unterhalb der A2 angeschlossen werden; aufwändige Brückenkonstruktionen würden entfallen. Mit zwei oder drei Wildbrücken könnte Tieren das Überqueren der Autobahn ermöglicht werden.

Das Argument des Planungsbüros, dass das gestiegene Verkehrsaufkommen auf der A2, einen Ausbau auf 8 Spuren erfordere ist anzuzweifeln. Wer den Eindruck erweckt man könne das Verkehrsaufkommen einfach addieren irrt. Schon heute fahren aus Norden wie auch aus Süden die Autos von der B 224 auf die A2. Eine zusätzliche Belastung entstünde ausschließliche durch die Fahrzeuge die von Norden in Richtung Essen weiterfahren. Der Verkehr in Richtung Oberhausen wäre lediglich 3 km früher auf der A2, müsste daher schon heute ab Anschlussstelle Gladbeck Probleme verursachen, wobei der aus Osten (Dortmund) kommende Verkehr, der heute die B224 in Richtung Marl belastet, schon drei Kilometer früher die A2 verlassen würde. Der achtspurige Ausbau der A2 erscheint daher mittelfristig nicht notwendig.

Der Lärmschutz muss im Bereich der Anbindung der A52 deutlich verbessert werden. Die Lärmemission auf der A2 kann in diesem Bereich durch Tempo 80, Flüsterasphalt und verbesserte Lärmschutzwände verträglicher gestaltet werden. Für den südlichen Anschluss der A52 an die A2 sind nur geringe Umbauten an der Anschlussstelle Essen/Gladbeck nötig.


Die Überwürfe über die A2 erübrigen sich.
Die Kosteneinsparung gegenüber der Galerievariante betragen etwa 36 Mio. Euro.
Geld, das zum Teil in Lärmschutz und örtliche Verkehrsinfrastruktur investiert werden sollte. Diese Trasse könnte in einer Bauzeit von zwei Jahren erstellt werden, während der Bauzeit stünden die vorhanden Fahrbahnen zur Verfügung. Der laufende Verkehr würde nur in den Anschlussphasen beeinträchtigt.

Die Beibehaltung der heutigen Trasse würde über mehrere Jahre zusätzlichen Umleitungsverkehr durch weitere innerstädtische Straßen von Gladbeck mit immensen Folgen, angefangen von Lärm- und Feinstaubbelastung sowie längeren Fahrtzeiten innerhalb Gladbecks bis zu Unfallverletzten und Unfalltoten auf diesen Umleitungsstrecken über die lange Bauzeit bedeuten.

Wenn man mit einer Zunahme der Unfallgefährdung für Personen im Straßen-verkehr um 10% im Gladbecker Raum ausgeht, muss man auf der Grundlage der Zahlen des Kreises Recklinghausen, mit 300 zusätzlichen Verletzten rechnen.

Die Parkmöglichkeit vor dem Freibad wird entfallen, der Parkplatz jenseits der dortigen Fußgängerbrücke auch, von der Benutzung der anliegenden Parkplätze durch Baufahrzeuge während der Bauzeit ganz zu schweigen. Das Freibad und das Wasserschloss Wittringen werden über Jahre nicht direkt erreichbar sein. Eine 5-7jährige Bauzeit im Gladbecker Innenstadtbereich, die teilweise oder vollständige Sperrung von innerörtlichen Straßen und der B224 und die damit verbundenen Stress-, Lärm- und Staubbelastungen würden den Bürgern und den Nutzern der B224 durch die Heegevariante erspart bleiben.

Perspektiven

Der Rückbau der heutigen B224 zur innerstädtischen Ost-West Verbindung würde den gesamten Verkehr im Gladbecker Zentrum beträchtlich entzerren. Butendorf könnte an der Erlenstraße wieder an Gladbeck-Ost angebunden werden. Gladbeck-Ost ist dann auch wieder von Süden aus erschlossen. Mit Kreiseln an der Erlenstraße sowie an Goethestraße, Schützenstraße, Phönixstraße wäre die B224 kein Hindernis mehr und Gladbecker Autofahrer könnten schneller und umweltschonender an ihr Ziel kommen.

Die nicht mehr benötigte Hälfte der Trasse könnte den Mühlenbach-Kanal der Emschergenossenschaft aufnehmen, der ohnehin noch erstellt werden muss. Die aufwändige Tieferlegung der Bäche, die die B224 und die Schützenstrasse unterqueren und die größeren Pumpanlagen, die für immer immense Kosten nach sich ziehen würden, entfallen.

Im Bereich zwischen Horster- und Grabenstraße könnte ein kanalartiges Wasserbauwerk entstehen. Das Regenwasser aus dem Innenstadtbereich würde dort zurückgehalten und könnte in den renaturierten Wittringer Mühlenbach abfließen. Unter Einbeziehung der Brachfläche des ehemaligen Klee-Marktes könnte eine Flaniermeile mit Außengastronomie entstehen.