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WASG zur UVS

Stellungnahme der WASG-Gladbeck zur UVS zum Neubau der A52

Die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) dient auch der Entscheidung, welche der Ausbauvarianten weiter verfolgt werden soll. Es ist von großer Bedeutung, dass diese Untersuchungen mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit durchgeführt werden.

Bei der Durchsicht der UVS fällt sofort auf, dass die in jeder Variante bestehenden Belastungen der Hülser Heide, der FH-Gelsenkirchen und der Heege durch die A52, sowie von Schaffrath, Butendorf und Brauck durch die A2, nur bei der Heegevariante bewertet werden. Bei der Galerie/Tunnel- oder Trogvariante durch die Innenstadt werden diese Beeinträchtigungen nicht mit in die Betrachtung einbezogen, obwohl sie genau so berücksichtigt werden müssten, da sie im gewählten Untersuchungsraum liegen. Dies führt zu einer unzulässig günstigen Beurteilung der Variante Innenstadtautobahn als Trog oder Galerie/Tunnel. Durch diesen systematischen Fehler wird der Wert der gesamten UVS in Frage gestellt.

Der Untersuchungsraum im Gladbecker Innenstadtbereich ist mit 100m beidseits der künftigen Trasse sehr eng eingegrenzt worden und erfasst nicht einmal die durch Lärm stark beeinträchtigten Wohnbereiche. Im Bereich der Heege beträgt der Untersuchungsraum etwa 200m beiderseits der Trasse. Dadurch werden die Innenstadtvarianten zu konfliktarm bewertet im Vergleich zu der Heegevariante.

Statt der von Straßen.NRW vorgestellten Ausfahrtschleife, in Höhe des Freibades, wurde bei der Tunnel/Galerievariante eine, im Flächenverbrauch und Schallschutz, vorteilhaftere Lösung mit zwei Rampen und kompletter Abdeckung der A52, im Bereich der Siedlung Stallhermstraße, bewertet.
Zur Ermittelung der Belastungen in der Wohnsiedlung entlang der Gartenstraße wurde für die Galerievariante eine Planung herangezogen, die die völlige Abdeckung der A52 zwischen Grabenstraße und Horster Straße vorsieht. Hierdurch werden die Lärmimmissionen in diesem Bereich zu gering bewertet.

Die, für den beschriebenen Tunnel, notwendigen Fluchttunnel oder Rettungsräume wurden nicht berücksichtigt. Mit der geplanten Be- und Entlüftung über die Portale werden enorme Luftbelastungen in den angrenzenden Wohnsiedlungen verursacht. Eine Überschreitung der Grenzwerte der 22. BImschV wird sich bei dieser Bauweise nicht verhindern lassen. Die Wertung dieser Variante, bezüglich des Schutzgutes Luft, auf Rang 1 ist grob falsch.

Belastungen südlich des geplanten Autobahnkreuzes, etwa im NSG Kösheide oder der Streusiedlung an der Welheimer Straße, wurden nicht erfasst, da dieser Bereich nicht Gegenstand des Untersuchungsraums war.

Die Erfassung der Schutzgüter im Bereich der Heege ist, wie man es von den gutachtenden Landschaftsarchitekten erwarten kann, sorgfältig und meist mit sehr hohen Bewertungen erfolgt. Der anthropogen veränderte Plagenboden, wird sogar als Kulturgut bewertet. Im Stadtbereich ist die hohe Bedeutung schützenswerter Güter nur zum Teil erkannt und außerdem nicht hinreichend bewertet worden. Hier hätte ein Ingenieurbüro anstatt eines Büro für Landschaftsarchitektur sicherlich anders bewertet. Mit der Auswahl eines Landschaftsarchitekten als Ersteller des Gutachtens ist somit das Ergebnis der UVS voreingestellt gewesen.

Die von Strassen.NRW geplanten, stark das Landschaftsbild und die Umwelt beeinträchtigenden Anschlussstellen werden als alternativlos bezeichnet. Ein Versuch verträglichere Straßenführungen zu finden wurde nicht unternommen. Die Gutachter schränken sich somit selbst ein obwohl sie schreiben: „Dementsprechend muss die Zielsetzung sein, die Flächeninanspruchnahme insgesamt so gering wie möglich zu halten und Varianten zu entwickeln, die projektbezogen den im städtischen Raum im Blickpunkt stehenden „Umweltbereich Mensch“ in angemessener Weise berücksichtigen.“

In der Verkehrsprognose wird für die A2, je nach Ausbauvariante, westlich der A52 eine Verkehrsbelastung zwischen 110.900 bis 115.000 Kfz/24h angegeben. Legt man eine Fehlertoleranz von 5% zugrunde, sind diese Angaben auch plausibel. Einschränkungen des Verkehrsflusses werden offensichtlich nicht erwartet, ein weiterer Ausbau der A2 ist nicht angedacht. Für den östlich der A52 gelegenen Abschnitt der A2 werden, bei der Heegevariante 118.100 Kfz/24h prognostiziert, diese Belastung ist kaum höher. Hier soll nun, zusätzlich zu den Verteilerfahrbahnen, die A2 auf 8 Fahrstreifen ausgebaut werden. Für 3100 Fahrzeuge pro Tag zwei neue Fahrstreifen, dass ist sehr großzügig geplant, die Flächeninanspruchnahme wird hier nicht beachtet. Legt man die Fehlertoleranz zugrunde, fahren hier im Bezugsjahr 2020 möglicherweise weniger als die 115.000 Fahrzeuge, die die A2 in ihrem jetzigen Ausbauzustand offenbar ohne Probleme bewältigen kann.  

Bei der Heegevariante ist der Lärmschutz entlang der A2 aus wirtschaftlichen Gründen falsch dimensioniert. Die Planung muss die Grenzwerte der 16. BImSchV einhalten. Wirtschaftliche Betrachtungen dürfen in der UVS keine Rolle spielen. Mit ausreichend hohen Lärmschutzgalerien, die dem Stand der Technik entsprechen, können und müssen die Grenzwerte der Verordnung eingehalten werden. Die Aussagen im Gutachten, welche die Lärmbelastung entlang der A2 bei der Heegevariante als unzulässig hoch bezeichnen, sind  durch fehlerhafte Planung bedingt.

Die UVS ergibt, dass bei der Trog- oder Tunnel/Galerielösung die Grenzwerte der 16. BImSchV in den Wohngebieten entlang der Trasse überschritten werden. Die Heegevariante kann somit als einzige der untersuchten Varianten den gesetzlich vorgeschriebenen minimalen Lärmschutz in den Wohngebieten des Untersuchungsraumes (UR) gewährleisten. Sie hätte also bei der Bewertung des Schutzgutes Mensch auf den Rang 1 gesetzt werden müssen. Da sich hier die Lärmbelastung nicht nur im UR, sondern im gesamten betroffenen Stadtgebiet deutlich verringern wird, dürfte bei dieser Variante auch die Akzeptanz in der Bevölkerung am Größten sein.

Baubedingte Beeinträchtigungen der Schutzgüter werden in der UVS nicht ausreichend untersucht. Die in der UVS beschriebene Fahrstreifenweise „Vorkopfbauweise“, ohne Inanspruchnahme zusätzlicher Flächen und bei 3-spuriger Verkehrsführung, verursacht viele Probleme in der Logistik des Baustellenverkehrs. Für die Erstellung des Troges müssen bei dieser Bauweise Spundwände gesetzt werden. Die bestehenden Lärmschutzeinrichtungen werden an einer Trassenseite in einer frühen Bauphase entfernt werden müssen.
Die hierdurch verursachten Lärm- und Staubemissionen und Erschütterungen (über mehrere Jahre) sind nicht von untergeordneter Bedeutung, wie es die gutachtenden Landschaftsarchitekten annehmen. Hier hätte zumindest die Möglichkeit einer vollständigen Sperrung der B224 zugunsten eines schnelleren Baufortschritts überprüft werden müssen.

Nach Fertigstellung der A52 wäre eine Unfallstelle im Bereich der Innenstadt (zwischen den Anschlussstellen) für Gladbecker Rettungskräfte nicht, oder nur mit großen Umwegen, Erreichbar. Die Feuerwehren aus Bottrop oder Gelsenkirchen könnten die Unglücksstelle eventuell schneller erreichen. Diese Verzögerung könnte für ein Unfallopfer lebensbedrohende Folgen haben.

Im UVPG § 2 wird der Mensch und seine Gesundheit als vorrangiges Schutzgut definiert. Leider wird dies in der UVS nicht ausreichend berücksichtigt. Hier wird eine Lösung favorisiert, bei der schon in der UVS festgestellt wird, dass sie, aufgrund der Bauweise, die entsprechenden Lärm-Grenzwerte der 16. BImSchV für Wohngebiete nicht einhalten kann.

Auch die Schadstoffgrenzwerte ( Staub, Abgase ) der 22. BImSchV werden bei der Trog- und Tunnel/Galerielösung höchstwahrscheinlich überschritten. Die Belastungen sind heute schon sehr hoch, auf eigene Messungen hat man in der UVS verzichtet. Bei einer Beinahe-Verdoppelung des Verkehrsaufkommens nach dem Ausbau ist mit Verbesserungen nicht zu rechnen. Schwere Feinstäube werden sich in der Trogkonstruktion ansammeln und die Anwohner im Nahbereich besonders stark belasten.

Bei der Heegelösung stellt sich die Problematik für die Anwohner entlang der A2 in Butendorf genau umgekehrt dar. Durch die weit über Bodenniveau liegende Öffnung der A2 werden Luftschadstoffe weit verteilt, hohe Konzentrationen im Nahbereich der Autobahn werden vermieden.

Auf die quantitative Bewertung der Staubbelastungen verzichtet man in der UVS. Vor dem Hintergrund der Wichmann-Erklärung ist diese Vorgehensweise absolut unverständlich und wenig professionell.

Diese anthropophobische Herangehensweise an die Aufgabenstellung wird schon beim Betrachten des Deckblatts der UVS (Kurzfassung) deutlich. Keines der abgebildeten Fotos zeigt eine durch die Ausbaupläne betroffene Wohnsiedlung, eine im Nahbereich der Trasse befindliche Kinder- oder Jugendeinrichtung oder das im Sommer gut besuchte Freibad. Menschen als hauptsächlich Betroffene kommen hier nicht vor.  

 

Hier finden Sie die Umweltverträglichkeitsstudie